Sandra Hofmeister







Garne, Wetbtechniken udn industrielle Herstellungsverfahren
Interview mit Hella Jongeirus – deutsche Domus #08/2014

Seit über 20 Jahren beschäftigt sich die holländische Designerin Hella Jongerius mit dem Design von Textilien. Sie greift dabei auf industrielle Techniken zurück und nutzt handgefertigte Details, um ihren Entwürfen einen lebendigen Charme zu geben. Sandra Hofmeister sprach mit der Art-Direktorin von Danskina und Maharam über ihre Erfahrungen mit Webtechniken und die Wirkung von Teppichen und Stoffen....Foto Jongeriuslab





Inside Views
Martin Schlüter's hiddeen spaces..DAM magazine #45/2014


For 60 years, the German Intelligence Service, aka Bundesnachrichtendienst, was located in Pullach, a quiet residential quarter in Munich. The area comprised of 64 hectares and contained schools, shops, and hairdressing and tailoring facilities. The whole zone turned into a secret city within a city. Employees and their families were not registered in Munich’s public records – nobody was allowed to know who worked in the secret zone of the BND. Some of the buildings in the area had been constructed by the Nazis as residential complexes for their elite, others were added in the 1950s and 70s. Parts of the zone will soon be demolished, as there is no more use for the buildings now that the employees have been relocated to a new headquarters in Berlin....





Sammeln aus Leidenschaft
Interview mit Florian Hufnagl – deutsche Domus #007/2014


Unter der Leitung von Florian Hufnagl wurde Die Neue Sammlung in München zum weltweit größten Designmuseum. Etwa 100.000 Objekte besitzt das staatliche Museum, das 1907 als eines der ersten Designmuseen überhaupt gegründet wurde und heute auch unter dem Namen The International Design Museum bekannt ist. Nach seinem Abschied als Museumsdirekto erläutert Florian Hufnagl, was ihn in 24 Jahren zum Sammeln von Design bewegt hat...





Räume ohne Grenzen
Townhouses von XTH-Berlin Martin Janekovic Helle Schröder – deutsche Domus #6/2014


Helle Schröder und ihre beiden Kinder Dan und Liva wohnen in einem Haus ohne Zimmer. Letztes Jahr ist die Architektin mit ihrer Familie in den Neubau am Mauerpark in Berlin-Mitte gezogen. Entworfen und geplant hat sie das ungewöhnliche Stadthaus mit trapezförmigem Grundriss selbst – gemeinsam mit ihrem Büropartner Martin Janekovic. XTH-berlin nannten die beiden Architekten ihr junges Büro – eine Abkürzung für Extreme Houses an der Spree.
Was damit gemeint ist, fällt im Entree von Helle Schröders Haus, dem Town House B14, sofort ins Auge. Das Wohnhaus ist von zwei weiteren Neubauten flankiert, die auch nach dem Entwurf der beiden Architekten gebaut wurden. Der fließende Raum der Eingangsdiele, den die Kinder zum Spielen, Kickern und Basteln nutzen, ist bis zur ebenso verglasten Rückseite des Gebäudes durchgesteckt. Lufträume, Treppenabsätze und Rampen ziehen den Blick nach oben – bis unter das Dach. Ohne Grenzen und Hindernisse wandern die Augen durch das luftige etwa 12 Meter hohe Raumkontinuum ,von der Gartenseite des Erdgeschoss bis ganz nach oben. Helle Schröder und Martin Janekovic haben die einzelnen Nutzungszonen der insgesamt 230 Quadratmeter Wohnfläche offen gelassen und auf sieben Niveaus organisiert, die miteinander verzahnt sind und sich gegenseitig ergänzen. Der durchgängige vertikale Raum ist in offene Bereiche auf verschiedenen Ebenen strukturiert. Dazwischen liegen Treppenabsätze, Rampen und Lufträume, die teils mit einem Netz abgesichert sind. Übergänge, Blickachsen und Bezüge im Raum ergeben sich wie von selbst. Immer wieder rückt dabei die Wiese vor dem Haus ins Auge, auf der Stahlstelen den Verlauf der früheren Berliner Mauer markieren. „Wir entwerfen selten im Grundriss, sondern im Schnitt. Uns geht es um den Raum“, sagt Helle Schröder...Foto: XTH-berlin





Light, Shadow and Space
Three Case Studies on the Effect of Light in Architecture
Essay published in: Lighting Up the Furure, The Emergence of OLED, Trademark Publishing, Frankfurt am Main 2014


Color, light and movement: After years of preparation, Lazlo Moholy Nagy achieved his vision in 1930, finally creating the "Light Space Modulator", a piece of equipment designed to give demonstrations of phenomena related to light and movement. The kinetic sculpture combined the artistic ideas of the Bauhaus master, and was shown as a lighting prop in the exhibition held by the German Werkbund in Paris. As if by magic, the "modulator" turns, consisting as it does of individual pieces of sheet metal with varying openings and shapes. Yellow, blue, red and clear light bulbs cast outlines and shadwos on the wall. shapes that rear up, overlap, and flit across the surface, whereby the shapes and contours change as they move. Lazlo Moholy-Nagy's sculpture reveals the linkages between light and shadow, spave and surfaces, and was one of the first exhibition opjects to have symbolized light by using is as a genuine creative material....



Magische Orte
Peter Zumthors Gespür für Architektur – H.O.M.E. Österreich, April 2014


Der Schweizer Architekt Peter Zumthor ist einer der renommiertesten Baukünstler unserer Zeit. Seine Gebäude sprechen die Sinne an und lassen sich auf einen Dialog mit ihrer Umgebung ein – am Rhein oder an der Kama, im norwegischen Vardø oder in Andelsbuch im österreichischen Vorarlberg. Dort hat Peter Zumthor kürzlich sein jüngstes Projekt verwirklicht – das Werkraumhaus. Ein Gespräch mit dem Architekten in seinem Atelier in Haldenstein...





Der andere Blick
Die Fotografien von Friederike von Rauch widmen sich Details, die normalerweise ignoriert werden – deutsche Domus #5

Architekturfotografie ist meistens menschenleer. Bernd und Hilla Bechers schwarzweiß-Aufnahmen von Industriebauten, beispielsweise von den Wassertürmen oder Hochöfen, wollen Typologien und Gebäudeformen dokumentieren und archivieren. Die Architektur wird dabei mit nüchternem Blick festgehalten, vor fahlem Himmel in zentraler Perspektive. Für die jüngere Generation an deutschen Fotografen war diese inszenierte Sachlichkeit prägend. Candida Höfer, Thomas Ruf oder Andreas Gursky, die bei Bernd Becher in der Fotoklasse der Düsseldorfer Kunstakademie studierten, haben längst zu einer eindrucksvollen eigenen Bildsprache gefunden. Ihre Aufnahmen von Interieurs oder Landschaften kommen jedoch oftmals ohne Menschen aus – wie die Fotos der Bechers oder die vieler aktueller Architekturfotografen.Bei den Fotografien der Berlinerin Friederike von Rauch jedoch verhält sich die Sache etwas anders: Auch hier sind keine Menschen zu sehen, dafür aber werden Spuren sichtbar, die an Menschen erinnern. Über einem barocken Paravent, der in einer schlossähnlichen Raumsituation mit prächtigen Wandbespannungen und Holzvertäfelungen steht, hängt ein flüchtig hingeworfenes Leintuch. Auf der Leinwand eines historischen Gemäldes, das nur als Ausschnitt sichtbar ist, lässt sich die Arbeit der Restauratoren erahnen. Den größeren Zusammenhang ihrer Detailbeobachtungen blendet Friederike von Rauch bewusst aus. Die Orte selbst bleiben auf diese Weise austauschbar... Foto: Friederike von Rauch




Im Urbanen Dschungel
Der Berliner Designer Werner Aisslinger versteht sich als Seismograf, der auf Zeitströmungen reagiert
– deutsche Domus 06 – 12/2013. Fotos: Manfred Klimek

Mit Schutzjacke und Bauhelm auf dem Kopf huscht Werner Aisslinger durch die Sicherheitsschranke. Dann eilt er an den Baucontainern vorbei und lotst mich in einen großen Lastenaufzug. Wir sind auf der Baustelle des 25hours Hotel Bikini Berlin. Noch ist kaum zu erahnen, wie die 149 Hotelzimmer einmal aussehen sollen, doch Werner Aisslinger sieht alles schon genau vor sich. Er ist für das Design des Hotels im revitalisierten sogenannten Bikini- Areal an der Gedächtniskirche, im Herzen Westberlins, verantwortlich. Im Januar soll das ungewöhnliche Etablissement in dem kleinen 50er-Jahre-Hochhaus an der Budapester Straße – einer architektonischen Ikone des Wiederaufbaus und des Optimismus der Nachkriegsära – seine ersten Gäste empfangen... Foto: Manfred Klimek




Der Virtuose
Seit zehn Jahren gilt Stefan Diez als einer der wichtigsten Gestalter Deutschlands. Im Gespräch verrät er, wer seine eigenen Vorbilder sind.. HOME 2012/12, Fotos: Tobias Kreisel

Welche deutschen Designer haben Sie beeinflusst?
Mein Lehrer Richard Sapper, bei dem ich an der Akademie in Stuttgart studiert habe, hat mich maßgeblich geprägt. Ich finde die Rhetorik seiner Entwürfe heute noch verführerisch und verständlich. Es ist mir klar, dass Sapper im Ausland als deutscher Funktionalist gilt. Wenn er eine Kaffeekanne entwickelte, musste sie erst mal auf neue Weise funktionieren. Für mich persönlich spielt der deutsche Funktionalismus aber keine Rolle. Mein Anspruch ist eine gewisse Virtuosität, die sich in den Entwürfen wiederfinden muss. Ich finde es zu engstirnig, sich nur auf das Formale, das Technische oder das Material zu konzentrieren. Es geht mir darum, das ganze Repertoire, das uns zur Verfügung steht, zu bedienen. Das Fantastische an unserer Zeit ist doch, dass es kein tradiertes Korsett mehr gibt, das uns Designer in diesen Punkten einschränkt!



Ranger, Förster und Hightech-Skischuhe
Vacuum-Skischuh von Factor Product – deutsche Domus #5/2014


Ranger sind Förster – sie kümmern sich um die Pflege des Waldes. Bis auf seinen Namen hat der Skischuh Ranger Vacuum auf den ersten Blick zumindest nichts mit diesem bodenständigen Beruf gemeinsam. Neongrüne Manschetten umschließen den Einstiegsschaft. Schnallen aus Aluminium halten die Kunststoffschalen zusammen. Von der Sohle bis zum Innenschuh und vom Manschettenspoiler bis zum Ski-Walk-Hebel besteht der Freerider-Skischuh von Fischer Sports aus der Kombination einer Vielzahl verschiedener Hightech-Materialien und ist sowohl für die Abfahrt als auch für Skitouren geeignet. Seine Passform lässt sich mit einem patentierten Vacuum-Verfahren an den individuellen Fuß angeleichen – Innenschuh und Außenschalen sind verformbar. Etwa zwei Jahre lang sind die Designer mit dem Entwicklungsprozess eines komplexen Skischuhs wie diesem beschäftigt. „Das alles sieht aber nur auf den ersten Blick nach Hightech aus“, meint Boris Simon, einer der drei Gründungspartner von Factor Product. „Der Gestaltungsprozess selbst ist weitgehend analog.“... Foto: Factor Product





Stille Einkehr im Grünen
Jakobskapelle von Michele De Lucchi – deutsche Domus 04


Es gibt nur wenige Orte in den Alpen, die noch unberührt vom Tourismus sind. Nicht weit entfernt von Fischbachau im bayerischen Oberland ist so ein idyllischer Landstrich. Die schmale Straße dorthin führt bergauf und bergab durch grünes Hügelland und dunkle Mischwälder, vorbei an vereinzelten Höfen und saftigen Wiesen. Der Alltagscheint hier seinen unveränderten Lauf zu nehmen. Bis auf einen Bauer auf seinem Traktor ist weit und breit niemand unterwegs. Wie bunte Flecken verteilen sich die Kühe auf dem Weideland zwischen den großen Hecken. Wer diese Landschaft erfassen will, der muss sich auf ihren Rhythmus, auf die Natur und ihre Stille einlassen. Genau das hat der italienische Architekt und Designer Michele De Lucchi getan – mit einer Kapelle, die dem heiligen Jakob geweiht ist und sich in die Szenerie fügt, als ob sie schon immer dagewesen wäre...Skizze: Michele De Lucchi





Haus für das Handwerk
Werkraum in Andelsbuch von Peter Zumthor
deutsche Domus #3


Mit dem neuen Werkraum Haus von Peter Zumthor erhält das stolze Handwerk des Bregenzerwaldes ein neues Zuhause. Experimentiergeist und vollendete Details machen die luftige Halle zu einem außergewöhnlichen Raum für Proportionen, Materialien und ihre Verarbeitung – ein Gebäude, in dem Architektur und Handwerk zueinander finden...

Schon während der Planungs- und Bauphase in Andelsbuch war Peter Zumthor ganz und gar in seinem Element und unter Freunden. Die Handwerker des Werkraums Bregenzerwald nennen den Pritzkerpreisträger freundschaftlich „der Petrrr“, sie verhandelten ihre Belange auf Augenhöhe mit ihm. „Ich baue ein Haus mit den Wäldern“, erklärte Zumthor wiederum und ließ keinen Zweifel daran, dass er sich mit seinen Bauherren bestens versteht. Etwa 80 Handwerksbetriebe aus der Talschaft in Vorarlberg sind Mitglieder des Werkraums, mehr als die Hälfte davon hat sich beim Bau des neuen Hauses für ihren Verein direkt eingebracht – von den Zimmerer- und Malerarbeiten bis zum Terrazzo oder der Akustikdecke der rund 700 Quadratmeter großen Halle. Der Werkraum Bregenzerwald nutzt seine neue Adresse für Ausstellungen und Jugendworkshops, Symposien und Präsentationen oder festliche Abende – auch einen kleinen Laden und ein Café gibt es. „Die Kunst hat ein Haus in Bregenz“, so Peter Zumthor bei der Eröffnung im Juli, „und das Handwerk hat jetzt ein Haus in Andelsbuch“.
Foto: Florian Holzherr



Licht im Museum
Lightopia oder Wie das Licht die Ausstellungwelt erobert – deutsche Domus #3


Licht und Schatten bilden das Fundament der optischen Wahrnehmung. Wie aber lässt sich ihre Bedeutung im musealen Kontext vermitteln? Jolanthe Kugler ist Kuratorin der Ausstellung „Lightopia“ im Vitra Design Museum. Vor der Eröffnung der Schau am 28. September diskutiert sie Fragen der Vermittlung von Licht und seiner Strahlkraft im musealen Kontext...
Foto: Daniel Rybakken, Andreas Engesvik, Colour Light for Ligne Roset, 2011. © Photo: Kalle Sanner and Daniel Rybakken




Customize it!
Sei so individuell wie möglich – deutsche Domus #03


In Zeiten omnipräsenter Smartphones und Tablets, Hintergrundbilder und Telefontöne darf sich jeder von uns ein bisschen kreativ vorkommen: Wir selbst bestimmen die Farben unseres Bildschirms, wir wählen Klingeltöne fu?r verschiedene Telefonfunktionen aus, wir bestimmen das Profil unserer Facebook-Seite selbst. Mit anderen Worten: Jeder von uns wird so ein bisschen zum Designer. „An die Stelle des passiven Konsumierens sind heute Herumbasteln, Adaptieren und Improvisieren getreten“, so Joseph Grima. Als User der Kommunikationswelt gestalten wir unseren Anwendungsalltag nach vorgegebenen Mustern und vorab festgelegten Auswahlkriterien. Dabei passen wir die Alltagswelt an individuelle Vorstellungen an. Wir sind also kreativ! Vom Mainstream können wir uns durch diese persönliche Note nur bedingt unterscheiden, besteht dieser doch gerade darin, dass jeder sich so individuell wie möglich gibt, um sich von den anderen abzusetzen. Design wird damit auch zum Mittel einer intuitiv erfassbaren, sozialen Distinktion. Wie zum Beispiel klingelt Ihr Telefon? Old-phone, Lady-Gaga-Songs oder Pippi-Langstrumpf-Lieder? Welche Ru?ckschlu?sse lässt die Melodie auf Ihr Umfeld, Ihre Vorlieben oder gar Ihre Persönlichkeit zu?...





Out now: deutsche Domus #2


Alles, was zählt
Zehn Jahre Stefan Diez Office – Domus – deutsche Ausgabe #1

Vor einem Jahrzehnt hat Stefan Diez sein Atelier gegründet und setzt seitdem gemeinsam seinem Team neue Maßstäbe im Industrie- und Möbeldesign. Seine Entwürfe sind konsequent dem Fortschritt verpflichtet und schöpfen das Potenzial der industriellen Fertigung aus, bis hin zu Fragen der Logistik und des Vertriebs. Ein Blick auf aktuelle Entwürfe – und auf den Alltag im Büro von Stefan Diez....Fotos: Myrzik und Jarisch



OUT NOW: Domus – deutsche Ausgabe


Erfrischend Anders
OLS-Haus von Jürgen Mayer H. – HOME April 2013

Kennst du eines, kennst du alle? Manchmal konkurrieren Wohnviertel und Straßenzüge am Stadtrand miteinander, um sich an Langeweile zu übertreffen. Ein einfallsloses Haus reiht sich dann neben das nächste. Doppelgaragen und immer gleiche Zäune säumen die Grundstücksgrenzen und wenn überhaupt, dann lassen vielleicht die Gardinen noch einen Hauch an Individualität erkennen. Doch diese Regeln gelten für das OLS-Haus in der Nähe von Stuttgart nicht, weil es erfrischend anders ist. Zwar tanzt der Neubau in einem ruhigen Wohnquartier nicht aus der Reihe, vielmehr nimmt er die Firsthöhe und die Dachneigung seiner Nachbarn auf. Trotzdem aber gelten hier keine monotonen Standards. Mit ausholendem Schwung schlängelt sich eine lichtgraue Betonmauer – mal hoch und mal flach, mal Mauer und dann wieder Podest – um die Straßenseite des Hanggrundstücks und gibt mit ihren Kurven das architektonische Leitmotiv für das gesamte Haus vor.... Foto: David Franck


BDA Preis Bayern 2013
Architektur erleben

Im Idealfall richten Architekten und alle am Bau Beteiligten ihre Aufmerksamkeit auf ein gemeinsames Ziel, nämlich das fertige Gebäude. Sobald der Schlüssel jedoch übergeben ist, entwickeln Gebäude durchaus ein Eigenleben, das nicht mehr unter der Aufsicht der Architekten und manchmal nicht einmal mehr im Ermessen der Bauherren liegt. Es sind vielmehr die Nutzer, die Architektur nun für sich vereinnahmen, sie tagtäglich erfahren in allen Vor-oder Nachteilen und sie zu einem lebendigen Teil des Alltags machen. Letztlich geben erst sie Räumen, Korridoren oder Plätzen einen Sinn, indem sie all diese Orte mit Leben füllen.Als Jurymitglied und als Journalistin stand mir die Aufgabe zu, diesen Aspekt bei all denjenigen Projekten vor Ort unter Augenschein zu nehmen, die in der engeren Auswahl für die Nominierungen standen. Die Reise führte mich quer durch Bayern – von Niederbayern nach Oberfranken und in die Oberpfalz. Dann weiter ins Dreiländereck nach Passau, in die Alpen und ins Allgäu, nach Schwaben und in den Münchner Raum. Die vielfältigen Eindrücke, die ich auf dieser Rundreise gesammelt habe, sind von den unterschiedlichsten Begegnungen und Situationen geprägt. Es sind Momentaufnahmen des Lebens, des Alltags und damit auch der Architektur....Foto: Florian Holzherr



Sense of Place
A conversation with Peter Zumthor – DAM #36

This year, winter has come early in Haldenstein. The mountains, meadows, and forests are covered in snow almost to the bottom of the valley. Peter Zumthor’s studio and home are situated in a village near Chur in the Swiss canton of Grisons. High above the village, a ruined castle looks out over the hillside across the Rhine valley. Haldenstein is a quiet retreat surrounded by high mountain peaks and cliffs. Together with his some 30-strong team, the architect and Pritzker laureate designs projects for locations ranging from Andelsbuch (Austria) to Los Angeles and further afield to Perm in Russia....



Der Avantgarde verpflichtet
Domus erscheint ab nächstem Mai auch auf Deutsch. Endlich! – HOME Dez. 2012

Gibt es eine Zeitschrift, die sich seit vielen Jahrzehnten konsequent Gestaltungsfragen widmet und dabei die weltweit wichtigsten Architekten, Designer und Kritiker zu Wort kommen lässt? Die zielstrebig auf der Suche nach zukunftsweisenden Gestaltungsansätzen ist und dazu Ideen und Konzepte von Mailand bis Los Angeles und Tokio unter die Lupe nimmt? Domus ist eine Ikone unter den Architekturzeitschriften. Als Sprachrohr der internationalen Avantgarde ist der Ruf des legendären Magazins schon vor Jahrzehnten u?ber die Grenzen Europas hinausgedrungen. Domus hat mehrere Generationen von Gestaltern inspiriert und ist ein fester Teil der Architektur- und Designgeschichte. Bis heute ist das Blatt fest in der Gegenwart verankert und scheut den Blick in die Zukunft nicht. Fu?r diese umfassende Mission hat das Mailänder Verlagshaus Editoriale Domus nun einen neuen Partner an seiner Seite: ahead media, der Verlag von H.O.M.E., wird im Mai 2013 eine deutschsprachige Domus launchen, die im Zweimonatsrhythmus in Deutschland, Österreich und der Schweiz erscheinen wird. .....


Ends of the Earth: Land Art to 1974
www.uncubemagazine.com

There was a time, when artists created lightning fields and giant stone spirals, placed oversized installations and massive structures in salt lakes or deserts. Hans Haackes Grass grows from 1969 is a testimony of this epoch, a small hillock of meadow that is at the entrance of Haus der Kunst in Munich and begins the exhibition Ends of the Earth: Land Art to 1974. With nearly 200 works by more than 100 artists, the show curated by Philipp Kaiser, is a comprehensive overview of an artistic position that rejected the institutional limits of the art system. From the mid-70ties onwards, the common ground of Land Art began to diverge in distinvt movements such as conceptual art, happenings, performance or Arte Povera...



Source of Enlightenment
A visit to Olafur Eliasson’s Berlin studio – DAM #35

Olafur Eliasson likes to mix it up. Having chosen Berlin as his base, he is happily entrenched in the culture, surrounded by a staff of practitioners in all fields of expertise, there to guide and extend his creative drive to reach the appropriate form of realisation. He even has chefs on board, to ensure that the team's nutritional needs are properly met while simultaneously enabling a daily gathering around the table. Using ephemeral materials such as dust, mist, water or light as ingredients, Eliasson’s art often creates an obstacle of sorts in public environments, causing the visitor to veer off-course...photo: "Your glacial expectations", Olafur Eliasson and Günther Vogt 2012


Candida Höfers Schule des Sehens
Mir ihrer Kamera erkundet die Fotografin menschenleere Räume, Bibliotheken, Lesesälen und Archive... GG Magazin #4/2012

„Als Kind hatte ich andere Träume. Aber dann, zwischen 16 und 18, entdeckte ich die Fotografie als ein spannendes Medium“, meint Candida Höfer in einem ihrer seltenen Interviews. Die international gefeierte deutsche Fotografin ist berühmt für ihre menschenleeren Interieurs – Kirchen und Theatersäle, Museen und Paläste, die über den gesamten Globus verteilt sind. Konsequent konzentriert Candida Höfer ihren Blick seit den 1980er Jahren auf Innenräume, die in ihren Fotografien ein erstaunliches Eigenleben entfalten, gerade weil die alltäglichen Nutzer und Bewohner fehlen. Auch die Aufnahmen aus dem opulenten Bildband „Spaces of their own“ sind nach diesem Muster entstanden. Höfer fotografiert gerne in Zentralperspektive, ihre Motive hat sie sorgfältig ausgewählt: Es sind Archive und Bibliotheken von Buenos Aires bis Paris und von Dublin bis Neapel. Sie alle befinden sich an den Routen des Jakobswegs, jenes traditionsreichen Pilgerpfades, der aus allen Himmelsrichtungen kommend im spanischen Santiago de Compostella zu seinem Ziel findet...


Die Stadt für alle
Choreografen des öffentlichen Raums: zu Besuch im Atelier von Diller Scofidio + Renfro, Baumeister #9/2012

Die dunkle Klangfarbe macht Ricardo Scofidios samtweiche Stimme eindringlich präsent. Mit hochgekrempelten Hemdsärmeln und über die Schulter geworfener Krawatte wirkt der hagere New Yorker wie ein sanfter Poet inmitten der Architektenwelt. „Wenn ein Gewitter aufzieht, hält uns nichts am Schreibtisch. Dann beobachten wir das Naturschauspiel über den Türmen von Midtown“, meint er, und sein Blick verliert sich in den Regenwolken, die sich vor den großen Fensterbändern über dem Häusermeer Manhattans gesammelt haben. Für die insgesamt hundert Mitarbeiter von Diller Scofidio + Renfro ist dieses New-York-Panorama Alltag. Ihr Büro im Stadtteil Chelsea liegt im 17. und 18. Stock eines Industriehochhauses aus den 1930er Jahren – früher einmal hatte Buckminster Fuller in diesem Ziegelturm ein Atelier. Nackte Betonstützen gliedern die durchgängigen großen Arbeitsräume und erinnern an ihre frühere Nutzung als Lagerhalle. Von hier oben aus dem Fenster erscheint Manhattan wie die Modellstadt einer Spielzeugeisenbahn...photo: Kai Nedden



Common Ground
David Chipperfields Konzept für die Biennale will zeigen, dass Baukunst eine kollektive Aufgabe aller Gesellschaften ist – A&W #5/2012

An Werktagen tummeln sich rund um die Hongkong and Shanghai Bank emsige Geschäftsleute, die in die Büroetagen des glitzernden Hochhauses strömen. Sonntags jedoch ergibt sich ein anderes Bild: Dann verwandelt sich der Bankenturm aus Glas und Stahl zum Treffpunkt philippinischer Gastarbeiterinnen. Zu Hunderten versammeln sie sich im schattigen Durchgang unter dem Finanzgebäude. Sie spielen Karten, breiten ihre Picknickdecken aus und feiern Feste – als ob der Ort genau zu diesem Zweck geschaffen worden wäre.
Norman Fosters Beitrag zur Architektur-Biennale dokumentiert diese unerwartete Nutzung des Gebäudes, das Foster Associates in den 1980er-Jahren in Hongkong errichteten, und bezieht sich so wortwörtlich auf das Thema der diesjährigen internationalen Ausstellung in Venedig. „Common Ground“ bezeichnet den gemeinsamen Grund und Boden einer Architektur, die von unterschiedlichen Menschen genutzt und vereinnahmt wird. Ebendiesen Bezug zum Leben, die Gemeinsamkeiten und
die gesellschaftliche Bedeutung von Architektur macht David Chipperfield als Direktor und Kurator der Biennale zum Leitthema der Hauptausstellung. „Viele Menschen begreifen Architektur derzeit als etwas, das ihnen zustößt“, kritisiert der britische Architekt in gewohnter Zurückhaltung. In seinen Augen gibt es deutlichen Nachholbedarf, die Baukunst endlich wieder zu einer gemeinsamen Sache zu machen, die nicht nur Architekten, sondern die Gesellschaft insgesamt betrifft und als kollektive Aufgabe verstanden wird. „Don’t promote yourself, but open yourself!“, riet Chipperfield den 65 Teilnehmern, die er nach Venedig einlud, um im Arsenale, im Hauptpavillon in den Giardini und über die Stadt verteilt auszustellen. Viele verschiedene Positionen und Generationen kommen zusammen – und viele Interpretationen dessen, was den „Common Ground“ der Architektur ausmacht...


Phenomenology of viewing
Gerrit Engel's compendium of Schinkel – www.stylepark.com– 27.8.

Sometimes the quality of the original for following generations gets lost in the sheer bathos of the epigones and self-appointed disciples. Instead of sober vision you then get the illusion of myth and a factual discussion becomes an ideological debate. The years of tussle over the reconstruction of the Berlin Stadtschloss shows that in such debates urban design or functional arguments are often of secondary importance, and instead emotions lead to far-reaching decisions. Seen down to earth, historical buildings are often so stimulating precisely because their histories are so complex, superimposing the different strata of the then and the now and rendering them visible.Gerrit Engel’s photographs of Schinkel building s in Berlin and Potsdam form an attempt to pinpoint the testimony to this complex history in the former bastions of the Prussian monarchy...



Dispositiv der Landschaft
in: Das Keltenmuseum am Glauberg, hg. v. Ralf Ferdinand Broekmann und Olaf Winkler, Verlag Müller + Busmann, Wuppertal 2012

Wie ein großer Findling fügt sich das Keltenmuseum in die sanften Hügel der Wetterau und wird zum Teil der Landschaft. Felder, Wiesen und Wälder säumen den Blick bis zum Horizont. In den Talsenken des Panoramas, das sich rund um das Museum am Glauberg ausbreitet, ducken sich die Häuser der umliegenden Dörfer. Hohe Föhren überragen die klaren Konturen des Baukörpers. Seine Rückseite schiebt das Museum in den Südosthang des Plateaus, auf dem sich die Spuren einer mächtigen frühkeltischen Befestigungsanlage und Siedlung befinden. Die Vorderseite des langgestreckten Neubaus öffnet sich auf eine gleichmäßige, sechs Meter hohe Erhebung am Fuße des Glaubergs. Wie ein Fernrohr fokussiert das Museum den rekonstruierten keltischen Grabhügel. In den 1990er-Jahren entdeckten die Archäologen hier einen Bestattungsplatz aus dem 5. Jahrhundert v. Chr.. Nach einer langen Reise mit Stationen in den Restaurationswerkstätten des hessischen Landesamtes für Denkmalpflege und in verschiedenen Sonderausstellungen sind die wertvollen Ausgrabungsfunde der Fürstengräber wieder an ihren Fundort zurückgekehrt – in die Keltenwelt am Glauberg...


Surreale Lebenswelten
In Terunobu Fujimoris Häusern treffen sich Archaik und Zukunft – www.stylepark.com, 9.7.

Über dem Zeltdach des Münchner Olympiazentrums schwebt eine riesige Banane, die wie eine Hängematte zwischen zwei gigantischen, kahlen Baumstämmen hoch oben in der Luft baumelt. Grüne Spargelstangen mit kleinen Fenstern türmen sich daneben auf und auf der Plattform einer monströsen, aufgeschnittenen Süßkartoffel landen die Helikopter. Terunobu Fujimoris postapokalyptische Vision für die bayerische Landeshauptstadt zeichnet ein recht prägnantes Bild. München wird zur Gemüsestadt! Die Natur hat den urbanen Raum erobert und ist zur gebauten Lebensform gewachsen – mit einem Bananentheater, Spargelwohnblöcken und einer Zwiebelschule. „In 100 Jahren, wenn es nichts mehr zu essen gibt, können wir wenigstens unsere Häuser essen“, meint der Japaner in seiner ruhigen, gelassenen Art und bittet schmunzelnd darum, keine Detailfragen zu dieser Vision zu stellen....photo: Chashitsu Tetsu, Teehaus Tetsu, 2006, Foto © Akihisa Masuda