Im Land der roten Felsen

Der Grand Canyon Skywalk

„I hiked the Canyon“ ist ein beliebter Spruch auf T-Shirts, mit dem sich Touristen am Colorado River gerne schmücken. Etwa fünf Millionen Urlauber kommen jährlich in die karge Plateau-Region in Arizona, um das Naturwunder des Grand Canyons hautnah zu erleben. Doch nur die wenigsten sind zu Fuß unterwegs – organisierte Ausflugsfahrten bieten Rafting und Helikopterflüge an, der Ausritt auf einer Ranch und der Besuch bei „echten Indianern“ in einem der Native American Reservate ist manchmal sogar inklusive. Deutlich authentischer erleben Jugendliche den Grand Canyon im Rahmen der Hear the World Sound Academy. Mensch, Natur und Wasser verdichten sich auf den Bootsfahrten zu einer Erfahrung, die als Fallstudie des Hörens gilt und wissenschaftlich begleitet wird.
Im Grand Canyon West – etwa 120 Meilen von Las Vegas entfernt und außerhalb des Nationalparks – kommt zu den vielen Angeboten noch eine besondere Attraktion hinzu: Wie eine surreale Aussichtsplattform ragt der Grand Canyon Skywalk auf einem Felssporn über die darunter liegende Schlucht. Er kragt 22 Meter in den Abgrund aus und gibt den Blick auf den 1200 Meter tiefer gelegenen Colorado River in zwei Kilometern Entfernung frei. Schwindel und Nervenkitzel sind beim Betreten der hufeisenförmigen Stahlträgerkonstruktion inbegriffen. Durch den gläsernen Boden aus sieben Zentimeter dickem, entspiegeltem Spezialglas wird der Abgrund zu einem unmittelbaren Erlebnis, dem auch die gläserne Brüstung keinen Halt gibt. Walk the Sky – mit Blick auf den Canyon und die unvergesslichen Weiten des Felsplateaus: Für manche Besucher entpuppt sich dieses Abenteuer als der blanke Horror, für andere als unvergleichbares Ereignis.

2007 hatte der Stammesausschuss der Hualapai-Indianer dem umstrittenen Bau der Plattform in ihrem vierzig Hektar großen Reservat entlang des Colorado zugestimmt. Kritiker unter ihnen monierten die Entweihung des heiligen Berges, der sich wie ein Adler mit gespreizten Flügeln gegenüber des Skywalk erhebt. Andere wiederum sahen in der Plattform eine Möglichkeit, die hohe Arbeitslosenrate des heute zweitausend Native Americans zählenden Stammes zu senken und eine Zukunftsperspektive aufzubauen. Der U-förmige Himmelsbalkon wiegt insgesamt 482 Tonnen und hält Windgeschwindigkeiten bis zu 160 Kilometer pro Stunde aus. Verwaltet wird der Skywalk von einer stammeseigenen Firma, der Grand Canyon West Resort Corporation, und hat in den ersten zweieinhalb Jahren bereits 700.000 Besucher gezählt.
Kameras sind verboten – Handtaschen und Rucksäcke ebenso. Befreit vom Gepäck des Alltags dürfen 120 Besucher gleichzeitig die Plattform betreten. Manche von ihnen trauen sich dann doch nicht, anderen wiederum scheint die Höhe nichts anzuhaben. Mit Filzschutz über den Schuhen, damit der Glasboden nicht zerkratzt wird, gehen sie vorsichtig über den Glasboden und Teil der weiten Landschaft.
Das Blut der Ahnen habe die Felsen rot gefärbt, glauben die Hualapai. Sie verstehen die Felslandschaft als heiliges Land – mit touristischen Einnahmequellen. Dazu gehört auch ein Foto, das die Gäste nach ihrem Besuch des Skywalk für 20 US-Dollar erwerben können und auf dem in großen Buchstaben steht“ I did it!!!“

Text: Sandra Hofmeister

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