Die Aufmöbler

 

Ein Sofa wie ein mediterraner Pinienhain. Die fünf dunklen Beine aus Stahl bilden die Baumstämme und verzweigen sich nach oben in dünne Äste. An ihnen sind die grünen Polster der Rückenlehne angebracht wie luftige Baumkronen. Der französische Designer Noé Duchaufour Lawrance nennt seine raffinierte Kreation "Borghese" und erinnert damit an die Pinien im Park der Villa Borghese in Rom. Sein Entwurf spielt mit Ornamenten und greift auf Elemente des Art déco zurück. Die Kunst- und Gestaltungstradition aus den 1920er Jahren ist eine zentrale Referenz für alle Möbel und Leuchten im Programm der jungen Pariser Marke La Chance.

"Dekoration war immer schon das Markenzeichen von französischem Design", meint Jean-Baptiste Souletie. Er hat La Chance gemeinsam mit der Architektin Louise Breguet vor drei Jahren gegründet. "Unsere Formen sind nicht einfach, sondern ornamental. Wir nutzen die Konstruktion von Möbeln, um ihnen einen dekorativen Charakter zu geben." Das übergeordnete Konzept von La Chance ist klar ausgerichtet - es geht darum, die Kunst der Dekoration in die Gegenwart zu übertragen, mit neuen Herstellungsmethoden, jungen internationalen Gestaltern und einem Vertriebsnetz, das schon weltweite Kreise gezogen hat. Die Teppiche und Tische, Wandregale und Leuchten werden von Händlern in Frankreich und China, Australien und den Vereinigten Staaten angeboten. "Unser Ziel war nie nur der französische Markt, wir wollten von Beginn an weltweit verkaufen", sagt Souletie. Der junge Firmenmitgründer war früher Banker und denkt ähnlich wie seine Partnerin Louise Breguet kosmopolitisch. Zwar kam der erste Kunde von La Chance aus Hongkong, doch produziert wird in europäischen Handwerksbetrieben - das geblasene Glas der Vase Toy in Tschechien und der marmorne Beistelltisch Salute in Portugal. Ohne eigene Herstellung operiert La Chance wie die meisten jungen Labels auf dem Markt als Verlagshaus für Design. Die Einzelteile der Möbel und Leuchten werden in eine Halle bei Paris geliefert, dort zusammengesetzt und gelagert, bis sie auf Bestellung an internationale Kunden geschickt werden.
Mutige Start-up-Unternehmen wie La Chance bringen frischen Schwung auf den Möbelmarkt, der in den vergangenen Jahren deutlich schillernder und vielfältiger geworden ist. Zwar kamen manche große Traditionshersteller während der Wirtschafskrise ins Straucheln, doch insbesondere die jüngere Generation nutzte die Situation, gründete designorientierte Möbelmarke mit schlanken Unternehmensstrukturen und spezialisiertem Angebot. Auch das Berliner Label Sitzfeldt hat eine klare Expertise. Das Unternehmen verkauft Polstermöbel, die ausschließlich im Internet per Mausklick bestellt werden können. Clemens Deyerling weiß durchaus, dass dies eine Herausforderung ist: "Sofas kauft man nicht nebenbei, sie sind ein Investment." Während seines Wirtschaftsstudiums in London kam er auf die ungewöhnliche Geschäftsidee für eine Online-Polstermöbelmarke. 2010 gründete der heute 33-Jährige gemeinsam mit seiner Schwester Anna und seinem Jungendfreund Julius Martini das Sofalabel Sitzfeldt. Die Vorteile des schlanken Online-Vertriebskonzepts liegen auf der Hand: Fällt die Händlermarge weg, so können Sofaentwürfe mit guter Qualität teils über 50 Prozent günstiger zum Verkauf angeboten
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Text: Sandra Hofmeister

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