Patina statt Lack
 

 Werk- und Denklabor Pauker bei Augsburg

Kein Vordach markiert den Eingang in das Gebäude in Friedberg. Die Eingangstür bleibt wie die wenigen anderen Öffnungselemente aus rostbraunem Stahl nahezu unsichtbar, verborgen in der glatten, bronzegefärbten Glashülle des Gebäudes. Statt einer repräsentativen Schauseite entschieden sich Architektin Regina Schineis und Bauherr Fritz Pauker für eine grundsätzliche Zurückhaltung nach außen. Erst im Inneren des quaderförmigen Werkgebäudes, dort wo 34 Mitarbeiter an der Entwicklung und Konstruktion von Hightech-Geräten im Bereich der Medizin, der Mess- und der 3D-Technik arbeiten, offenbaren sich die wahren Qualitäten. Hier trifft man im unteren Werkstattbereich und in den Büros im ersten Stock auf eine ungewöhnliche Kombination aus Stahl und Holz.
„Mich haben die Gegensätze der Materialien interessiert“, erläutert Regina Schineis von der Architektenpartnerschaft hiendl_schineis. Das tragende Stahlskelett des Hauses setzt sich aus 8 Millimeter starkem Cortenstahlblech zusammen. Dieses wird mithilfe von dazwischengeschweißten Cortenstahlwänden ausgesteift.
Schon beim Eintritt steigt einem der Duft von Holz in die Nase: Eine Treppe aus Weißtanne führt in den Bürobereich im ersten Obergeschoss, wo sich das unbehandelte Holz durchgängig ausbreitet, auf dem Boden als sägeraue Holzdielen, an Wand und Decke kommt die Weißtanne in Form von Dreischichtplatten zum Einsatz. Der Kontrast zwischen dem hellen Holz und dem rostbraunen Stahl sowie zwischen deren unterschiedlichen haptischen Qualitäten ist tonangebend. Im zentralen Besprechungsraum – dem Entree in die Bürowelt – wiederholt sich dieses Spiel in einer offenen Küchenzeile mit Holzschränken und einer tragenden Rückwand aus Stahl. Auch Bänke und Garderoben sowie bewegliche Wandelemente aus Dreischichtplatten sind in Weißtanne gehalten. „Das Wichtigste ist, dass die Architektur altern kann und mit den Jahren der Nutzung besser wird“, meint Regina Schineis. Im sägerauen Holzboden des Werk- und Denklabors zeichnen sich bereits Gebrauchsspuren ab, die für Fritz Pauker aber kein Nachteil sind, sondern zum Gebäude gehören – genauso wie das Fräsen, Hobeln und Schleifen in der Werkstatt im unteren Geschoss. Auf dem Milchglas der Werkstatttür ließ der Bauherr einen Spruch aus Dürrenmatts „Die Physiker“ anbringen: „Je planmäßiger die Menschen vorgehen, desto wirksamer vermag sie der Zufall zu treffen.“ Ein ungewöhnliches Motto für eine Werkstatt, in der unter anderem die Kameraoptik für die Hollywood-Verfilmung des „Herrn der Ringe“ entwickelt wurde, ein passendes Motto für ein Gebäude, in dem sich rostiger Stahl und unbehandelte Weißtanne mit Mut zur Patina ergänzen...

Text: Sandra Hofmeister

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