Testlauf im Eisstadion

 „Gleich gegenüber ist eine große Wiese, an ihr kann man sich orientieren“, lautet die Wegbeschreibung. Claudia Kleine und Jörg Kürschner sind vor Kurzem umgezogen und haben ihr Studio vom Stadtzentrum nach Grüwald verlegt. Garagenausfahrten und hohe Mauern säumen die leer gefegten Straßen des Nobeldorfs vor den Toren Müchens. In den großen, teils in die Jahre gekommenen Bungalows aus den 1970er und 80er-Jahren wohnt so mancher FCBayern-Profi oder Fernsehpromi, gut abgeschottet von der Öffentlichkeit. Ein Designstudio, das am Puls der Zeit arbeitetund international vernetzt ist, hätte man in dieser Gegend eigentlich nicht erwartet. „Das hat sich so ergeben. Wir haben dringend mehr Platz ge braucht“, meint Claudia Kleine. Im Keller haben die beiden Gestalter – ihr Studio nennt sich formstelle – die Werkstatt eingerichtet, die Büros liegen unter demwaren Fragen zur Körperhaltung und zur Balance aus Geborgenheit und Offenheit. Die Gestalter näherten sich diesen Grundlagen mit Skizzen und vielen 1:1- Modellen an, probierten verschiedene Sitz positionen aus und konkretisierten peu à peu die formale Struktur des Sitzmöbels, als Neuinterpretation eines Ohrensessels. „Es gab da dieses erste Modell, einen alten Sessel, den wir auseinan dergenommen, neu zusammengesetzt und durch den Drehmechanismus eines anderen Stuhlgestells ergänzt hatten. An ihm konnten wir genau studieren, in welchen Volumen wir uns überhaupt bewegen wollten“, erinnert sich Jörg Kürschner. Für die technischen und konstruktiven Details wurden verschiedene Verfahren und Materialien getestet. So entstand ein dichtes Netzwerk, das vom Werkzeugbauer bis zum Kissenproduzenten und vom Stoffhersteller bis zum Formfleecespezialisten reichte.
Alles in allem ist der 808 ein Gemeinschaftsprojekt. Seine Unterkonstruktion wird aus thermoplastischem Kunststoff im Rotationsguss verfahren hergestellt. Die Schale nimmt den Rahmen mit der stufenlos verstellbaren Dreh- und Kippmechanik samt integrierter Stahlfederung auf. Beschäumt wird sie in Italien, wobei präzise gesetzte Vertiefungen im Kunststoff weitere Arbeitsschritte beschleunigen. So lassen sich beispielsweise die Steppnähte der wellenförmigen Polsterung der eigens entworfenen Kissen leichter anbringen. Für das Untergestell entwickelte das Designerduo drei Varianten, aus Flachstahl, aus Stahlrohr in verschiedenfarbigen Lack ausführungen und aus Holz mit Bugholzteilen – eine Referenz an das Verfahren, für das Thonet seit jeher bekannt ist. Mit dem neuen Sessel im Programm hat das Traditionsunternehmen Mut bewiesen, das traditionelle Biegen von Holz und Stahl weit hinter sich gelassen und neues Terrain betreten. Schade nur, dass die Nummerierung als Produktname weiterhin strikt beibehalten wird: Einem charakterstarken Möbel wie dem neuen Sessel würde ein aussage kräftiger Name deutlich besser passen....

Text: Sandra Hofmeister
Foto: Tobias Kreissl

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