Aus sägerauer Tanne
 

Ema-Haus in Feldkirch Nofels von Bernardo Bader

Der Vorarlberger Architekt Bernardo Bader hat ein Wohnhaus entworfen, dessen Architektur sich selbstbewusst zu einem knappen Budget bekennt und trotzdem erstaunliche Qualitäten bietet. Die Konstruktionsweise des Holzbaus aus vormontierten Systemelementen trug maßgeblich zur Reduzierung der Baukosten bei.

Der Birnbaum auf dem Grundstück gibt den Takt vor. Als ob sie Konkurrenten wären, streckt sich das Holzhaus hoch bis zu den Baumwipfeln und greift die Dimensionen seines knorrigen Gegenübers auf. Das Ema-Haus in Feldkirch-Nofels, benannt nach den Initialen der Bauherrin, ist anders als seine Nachbarn. Am Rand des Vorarlberger Rheintal-Städtchens, nur wenige Kilometer von der Schweizer und der Liechtensteiner Grenze entfernt, verbarrikadieren sich Ein- und Mehrfamilienhäuser aus den 60er und 70er-Jahren hinter Jägerzäunen, ausladenden Balkonkonstruktionen und grellen Markisen. Dagegen sticht das schlichte, dreigeschossige Wohnhaus nach dem Entwurf von Bernardo Bader als reduzierter Baukörper ins Auge: ein kleines Holzhaus auf einer grünen Wiese, die den Blick auf die Appenzeller Berge freigibt. Kupfergerahmte Fenster unterschiedlicher Größe rhythmisieren die glatte Außenhaut aus sägerauer Tanne. Wie eine einfache Holzskulptur setzt sich die klare Kubatur des Satteldachhauses von seiner Umgebung ab.

Hohe Wohnqualität trotz überschaubarer Baukosten
„Wenn wir mehr Budget gehabt hätten, wäre es nicht besser geworden“, sagt Bernardo Bader überzeugt. Trotzdem war die Ausgangssituation für seinen Entwurf nicht einfach: Die junge Bauherrin wollte auf dem geerbten, knapp 700 Quadratmeter großen Grundstück ein Haus für sich errichten, wobei die Baukosten 200 000 Euro nicht überschreiten sollten. Ein flacher Erdgeschossbau war keine Option, „da wäre nicht viel vom Grundstück übrig geblieben“, stellt Bernardo Bader fest. Stattdessen baute der Architekt aus dem Bregenzerwald ein Holzhaus, das die einzelnen Wohnbereiche samt überdachtem Autostellplatz, der nach der Bauvorschrift notwendig war, auf nur 56 Qudratmeter bebauter Fläche in die Höhe stapelt. Im Erdgeschoss des Hauses öffnet sich ein so genannter „Sommerraum“ auf eine Holzterrasse im Garten. Raumhohe Fensterläden aus Tannenlatten reihen sich in geschlossenem Zustand bündig in die Fassade ein und sorgen für eine private Atmosphäre im Inneren. Eine leicht gewendelte Treppe führt in den ersten Stock, wo sich zwei Schlafzimmer und das Bad befinden. Ganz oben, unter dem Satteldach des Hauses, breitet sich auf 40 Quadratmetern ein großzügiger, fließender Wohnraum samt Küche und Essbereich aus. Ein großes Westfenster, dessen tiefe Laibung genügend Platz zum Sitzen bietet, zeigt auf das nahe gelegene Bergmassiv. Die Küchenzeile im Osten erhält durch ein kleineres Südfenster Licht, das nach innen bündig angeschlagen ist und außen auf dem Fensterbrett Blumentöpfe mit Gewürzen aufnimmt. Im Ema-Haus sind alle Öffnungen in ihrer Position und Größe unterschiedlich, und jedes Fenster für sich fokussiert und kontrolliert den Blick auf die Landschaft und in die unmittelbare Umgebung.

„Mir war die Betonung in die Höhe sehr wichtig“, sagt Bernardo Bader, der die Neigung des Satteldachs absichtlich so ausrichtete, dass sich das Obergeschoss nach Westen orientieren kann. Die sägerauen Tannenbretter der hinterlüfteten Fassade wurden in feuchtem Zustand montiert. Sie sind über eine vertikale Nut- und Kamm-Verbindung gestoßen, so dass sich ein flächiges Erscheinungsbild ergibt, wie bei einer Innenvertäfelung. Die Unterkonstruktion aus Holzelementen wurde im Holzbauwerk vormontiert, so dass sich die Montagezeit des Hauses selbst auf eineinhalb Tage reduzieren ließ. Genaue Detailplanung und Absprachen waren notwendig, um auch den Innenausbau aus Birkenholzspanplatten sowie sämtliche Rohelektroinstallationen auf den Dach- und Wandelementen anzubringen. Dank der genauen Vorplanung entfiel der aufwändige Innenausbau auf der Baustelle. „Das Projekt hat nicht mehr viel Bauleitung gebraucht“, erklärt Bernardo Bader. Um zudem noch weitere Kosten zu sparen, wurden die Platten für den Innenausbau weitgehend verschnittoptimiert vorgefertigt und sichtbar, aber sorgfältig verschraubt. „Das mindert die ästhetische Qualität durchaus nicht“, sagt der Architekt überzeugt. Trotz des knappen Budgets waren dennoch Kupferrahmen für die Fenster vorgesehen – „ein bisschen Luxus muss schließlich sein!“ Im Bedarfsfall können so die außen geführten Rollläden ausgetauscht werden. Wie die unbehandelten Tannenbretter, so werden auch die Kupferelemente der Fassade
mit der Zeit verwittern.

Überschaubare 85 Quadratmeter Nutzfläche breiten sich im Ema-Haus kompakt gegliedert auf drei Etagen aus, und trotzdem wirkt der Wohnraum alles andere als beengt. Das Niedrigenergiehaus wird mit einer Biomasse-Wärmepumpe beheizt und kommt mit nur 25kWh/m²a Energie aus. Als die Bauherrin kurz vor der Fertigstellung letztes Jahr beruflich in die USA umzog, fand sich problemlos eine junge Familie, die die schöne Holzbox seitdem bewohnt. „Das Haus ist nicht so maßgeschneidert, dass nur die Bauherrin dort wohnen kann“, sagt Bernardo Bader. Auch das ist eine architektonische Qualität, die man nicht unterschätzen darf.

Text: Sandra Hofmeister

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