Das Bauhaus – #allesistdesign

Mit der großen Ausstellung "Das Bauhaus #allesistdesign" präsentiert das Vitra Design Museum eine umfangreiche Übersicht über das Design der legendären Kunstbewegung. Die Ausstellung umfasst viele seltene Exponate aus Design, Architektur, Kunst, Film und Fotografie. Zugleich konfrontiert sie das Design des Bauhaus mit aktuellen Tendenzen und Werken heutiger Designer, Künstler und Architekten. Dabei offenbart sie die überraschende Aktualität dieser legendären Institution. Anlässlich der Eröffnung sprach Sandra Hofmeister mit Mateo Kries, Direktor des Vitra Design Museums, zu dem außergewöhnlichen Projekt.

Fast 100 Jahre nach seiner Gründung ist das Bauhaus ein Mythos. Wie gehen Sie in der Ausstellung mit diesem Mythos um?
Wir gehen dem auf den Grund und verstehen das Design am Bauhaus als ein Medium, mit dem der Mythos erst konstruiert werden konnte. Heute würde man vielleicht sagen, dass das Bauhaus zu einer Marke gemacht wurde, und in der Ausstellung werfen wir einen genaueren Blick auf einzelne Facetten dieser Markenbildung. Dabei stellen wir nicht nur Objekte in den Fokus, die in Weimar, Dessau oder Berlin entstanden sind, sondern decken die Prozesse dahinter auf.

Der Gestaltungsanspruch am Bauhaus betraf alle Bereiche des Alltags –von der Architektur bis zu Gebrauchsobjekten und Textildesign. Was schließen Sie daraus?
Der Gedanke des Gesamtkunstwerks, und des Zusammenspiels verschiedener Disziplinen, ist ein Grundmerkmal der Moderne. Am Bauhaus wurde nach diesem Prinzip gelebt, es wurde im Alltag praktiziert. Zwar haben auch andere Künstlergruppen dies für sich erkannt, aber nirgendwo sonst als am Bauhaus wurde der Gedanke mit einer ähnlichen Reichweite und mit vergleichbarem Erfolg im 20. Jahrhundert umgesetzt –das macht das Bauhaus aus heutiger Sicht so faszinierend. Ohne diese Grundlage wäre die Gestaltung des Lebensalltags, die charakteristisch für Design heutzutage ist, nicht denkbar.

Wie genau wirkt sich das Bauhaus auf die heutige Zeit und das heutige Design aus?
Bis heute ist oft vom Bauhaus-Stil die Rede. Es gibt einen bestimmten ästhetischen Code mit Attributen wie geometrisch, kühl, asketisch oder schwarzweiß, auf die das Bauhaus manchmal reduziert wird. Design am Bauhaus ging darüber hinaus. Zum Beispiel hat die Farbe eine wichtige Rolle gespielt. Im Vordergrund standen zudem immaterielle Dinge – es ging um eine Haltung und um die Einstellung, dass Design die Gesellschaft mitgestalten kann. Dieser Zusammenhang ist hochaktuell und wird heute viel diskutiert.

Welche Bedeutung haben Stoffe oder Textilien am Bauhaus genauer eingenommen?
Textilien waren ein fester Bestandteil des übergreifenden Gestaltungsanspruchs, denn in ihnen konnten beispielsweise Einflüsse aus der Bildenden Kunst aufgenommen werden. Hier war die zweidimensionale Kommunikation mit neuen Arten von Mustern und bildlichen Strukturen bereits erprobt. Ihre Muster und Farben konnten ohne Probleme auf Textilarbeiten übertragen und damit zum Zeichen für die damalige Avantgarde werden.

Am Bauhaus sind Kleider oder Bezugsstoffe auch oft als Muster und Vorlage für die Industrie entworfen worden. Welche Auswirkungen hatte das?
Ganz unabhängig davon, wie die Textilien hergestellt wurden, hatten ihre Muster und Oberflächen eine enorme Wirkung. Durch Abbildungen in Publikationen wurden Farben, Strukturen und Patterns von Entwürfen schnell verbreitet und konnten sich damit durchsetzen. Viele Textildesigns sind bis heute davon inspiriert. Und auch wenn sie nicht mit denselben Stoffen und Methoden hergestellt werden, so bleibt der Einfluss des Bauhaus doch erkennbar.

Dann war das Textildesign am Bauhaus stilbildend?
Der Einfluss eines Phänomens wie des Bauhaus muss früher oder später stilbildend wirken. Letztlich erzeugt Stil eine Form der Identifikation und bringt Gestaltung in den Alltag. Wenn Designer den Alltag der Menschen verändern wollen, so funktioniert dies nur, wenn sie gestalterische oder künstlerisch innovativ sind. Nur so können sie einen Stil prägen. Wichtig ist dabei in meinen Augen, dass seine Essenz bewahrt und eine Haltung transportiert wird.

Interview: Sandra Hofmeister

 

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