Leuchtender Hangar

Dornier Museum Friedrichshafen

Das im Sommer 2009 eröffnete Museum widmet sich der Geschichte der Luftschifffahrt und vereint Lichtkunst und Architektur zu einem stimmigen Gesamtkonzept.

„Früher nutzte ich meine Flugzeugmanie, um mein Hobby, die Kunst zu finanzieren. Heute ist das genau andersherum“, meint der amerikanische Lichtkünstler James Turrell. Dass der passionierte Hobbypilot und die Dornier-Stiftung als Bauherr des neuen Dornier Museums in Friedrichshafen am Bodensee zusammenkamen, ist kein Zufall. Ursprünglich wollte Turrell eine DO 27 erwerben – ein einmotoriges historisches Flugzeug, das Claude Dornier (1884–1969) in den Fünfzigerjahren entwickelt hatte. Als der Künstler dann Cornelius Dornier, den Enkel des legendären Pioniers der Luftschifffahrt kennenlernte und in die Museumspläne der Dornier-Stiftung eingeweiht wurde, begeisterte er sich schnell für den Plan, die Lust am Fliegen und die Lichtkunst in einer markanten Installation zu vereinen.

Erweiterung der Architektur
Zartes Blau strahlt durch die transluzente Haut, wechselt sich in sanften Übergängen mit Magenta-, Grün- und Weißtönen ab. Die Hauptfassade des Neubaus am Flughafen Friedrichshafen strahlt in sämtlichen Farben und übersetzt die Vision vom Fliegen, wie sie die frühen Pioniere der Luftschifffahrt hatten, in eine schwerelose Lichtinszenierung. Entscheidend für die immaterielle Wirkung des Lichts ist das Fassadenmaterial aus transluzenten Polykarbonatplatten. Der Kunststoff reflektiert das farbige LED-Licht, streut es und lässt das Museum von innen und außen strahlen. „Ich benutze Licht, um die Architektur zu erweitern“, sagt James Turrell, der seine Kunst als zusätzliche Funktion versteht. (Eine weitere seiner Lichtinstallationen ist noch bis April 2010 im Kunstmuseum Wolfsburg zu sehen.)
100 Jahre Luftfahrtgeschichte – von den frühen Flugbooten Claude Dorniers bis zur Weltraumtechnologie: Der Name Dornier verweist auf ein Vermächtnis, das neben den berühmten Flugzeugen auch Erfindungen wie die Blackbox oder den Nierensteinzertrümmerer umfasst. In den Achtzigerjahren ging das frühere Familienunternehmen in Fairchild-Dornier und später in EADS auf. Um die Geschichte Dorniers und die frühe Geschichte der Luftschifffahrt wieder lebendig zu machen, setzte die Dornier Stiftung nun ein Museum neben das Rollfeld des Flughafens Friedrichshafen.

Anschaulicher Parcours
Dem Genius Loci und seinen Inhalten entsprechend konzipierten die Münchner Architekten Allmann Sattler Wappner das Museum als einen einfachen Hangar, der sich an seiner Westseite öffnen lässt. Durch ein großes Glastor können die historischen Flugzeuge, die auf den insgesamt 5.000 Quadratmetern Ausstellungsfläche des Museums unter anderem zu sehen sind, auf das Rollfeld geschoben werden. Den Eingang zur Ausstellung haben die Architekten in eine „Hall of Fame“ gelegt – einen zentralen Bereich gleich hinter den Ticketschaltern, in dem die Besucher mit überlebensgroßen Porträts von Leonardo da Vinci bis zu den Brüdern Wright und anderen Pionieren der Luftschifffahrt auf das Thema eingestimmt werden. Eine geschwungene Wendeltreppe führt in die Räume der sogenannten Museumsbox im ersten Stock. Dort wird die Geschichte der Luftschifffahrt und der Firma Dornier in einem anschaulichen Parcours vermittelt.
Die Ausstellungsarchitektur von Atelier Brückner setzt auf strukturierte Raumzonen, die einzelnen historischen Abschnitten gewidmet sind und trotzdem als Ganzes wahrgenommen werden. Den Besucher erwarten Modelle von berühmten Dornier-Flugzeugen wie der Merkur, dem ersten Verkehrsflugzeug der Lufthansa, sowie Fotos, historische Filmsequenzen und der besonders kuriose Nachbau einer Flugkabine. Gezielte Lichtspots auf einzelne Gegenstände und gläserne Dioramen geben den fensterlosen Räumen Kontur und lassen die dargestellten Epochen anschaulich werden. Der Rolle der Firma Dornier unter den Nationalsozialisten und dem Schicksal der Zwangsarbeiter der Firma ist ein eigener, zentraler Bereich gewidmet.

Die Geschichte des Fliegens lebendig machen
Der Besucher verlässt die Museumsbox über einen dunklen Raum, in dem die Planeten des Sonnensystems inszeniert sind, und kann in den Schaukästen auf der offenen Galerie die Details zu technologischen Erfindungen für die Raumfahrt studieren. Sein Blick fällt auf die offene Halle des Hangars, auf die DO31 etwa, den ersten Senkrechtstarter oder die Drohnen – von Dornier entwickelt – wie sie beispielsweise beim Bundeswehreinsatz in Afghanistan benutzt werden. „Männer wie mein Großvater haben eine Vision gehabt und sind ihrer Vision gefolgt“, sagt Cornelius Dornier, Projektleiter des Museums. Dank der hellen und leichten Architektur des Museums, die Starts und Landungen auf dem Rollfeld des benachbarten Flughafens durch markante Blickachsen mit einbezieht, können diese Visionen lebendig werden.

Text: Sandra Hofmeister

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