Wenn drinnen draußen ist

Die Lage - In lieblicher Umgebung
„Idyllisch und voller Poesie“ sei die Hohenloher Landschaft, schrieb einst Eduard Mörike. Wer den Blick von den Wohnräumen des Haus’ Philipp über die Baumwipfel am Hang hinweg in die Ebene schweifen lässt, wird verstehen, was der schwäbische Dichter meinte. Wie ein Muster breiten sich Wiesen und Felder bis zum Horizont aus, durchschnitten von Flussläufen und grünen Tälern, getupft von roten Dächern und belebt von einem Zug, der irgendwo in der Ferne vorbeifährt. „Wenn eine Gewitterfront aufzieht, ist das ein wunderbares Schauspiel“, sagt Christopher Philipp. Gemeinsam mit seiner Schwester Anna führt er das Büro Philipp Architekten nahe Schwäbisch-Hall. Er kümmert sich als Betriebswirtschaftler um die Organisation, sie, die Architektin, verantwortet das Planen und Entwerfen. Das Haus, das sie für ihn, seine Frau und die vier Kinder konzipierte, liegt auf einem Bergrücken in dem kleinen württembergischen Ort Waldenburg. Es zelebriert das Panorama und nutzt die Landschaft zugleich selbstbewusst als Wohnqualität – dank einer Architektur, die bis ins Detail reduziert und doch tauglich für den Alltag in einer großen Familie ist.

Die Idee – Maximale Transparenz
„Die erste Vorgabe ist der Ort, die zweite sind die Menschen“, erklärt Anna Philipp den Prozess ihrer Entwürfe. „Das Haus soll wie ihre zweite Haut sein.“ Die Bauherren hatten sich gewünscht, mit der Natur zu wohnen, und die Architektin ersann eine konsequent transparente Lösung: Eine puristische, mehr als 300 Quadratmeter große Villa, deren Erdgeschoss nahezu rundherum verglast ist. Möglich wird das, weil ein mittig ins Esszimmer gestellter, mit Holz verkleideter Quader für das statische Gleichgewicht sorgt. Darin verbergen sich Küche, Gäste-WC, die Treppe ins Obergeschoss – und ein Betonkern mit Stahlträgern, der die Decke stützt und die Auskragung des Obergeschosses möglich macht. Sonst dienen als tragende Elemente nur noch eine Wand zwischen Ess- und Wohnzimmer und zwei schmale Stahlstützen, die eine Schiebetür zum Garten flankieren. Durch die rahmenlosen Fensterfronten geht der Blick in alle Himmelsrichtungen, und je nach Tageszeit und Wetter werden die Räume in unterschiedliche Stimmungen getaucht. „Obwohl man im Haus ist, lebt man immer auch draußen“, sagt die Hausherrin Eva Philipp. Küche und Esstisch bilden den Mittelpunkt im Erdgeschoss, das Wohnzimmer im nordwestseitig vorgelagerten Flachdachbau ergänzt den Raum zu einem Kontinuum, das sich immer wieder in neuen Perspektiven zur Landschaft öffnet. Vier Terrassen, mal überdacht, mal tiefer gelegt, dann wieder ebenerdig oder durch ein schmales Wasserbassin begrenzt, erweitern die Wohnfläche nach draußen.

Das Obergeschoss - Eine Reihe Rückzugsorte
Die Raumorganisation ist klassisch: Wohnzimmer, Esszimmer und Küche befinden sich im Erd-, die Schlafräume im Obergeschoss. Vier Kinderzimmer und ein Bad reihen sich entlang eines großen Spielflurs aneinander, der durch einen Lichtschacht erhellt wird. „Unser Indoor-Fußballplatz. Hier kicken die Jungs und ich jeden Abend“, sagt Christopher Philipp. Die Söhne, zehn, neun und sieben Jahre alt, und das vierjährige Töchterchen haben in ihren kompakten Kinderzimmern zwei Ebenen zur Verfügung: Unten stehen die Schreibtische mit Blick nach Norden auf das Panorama, steile Stiegen führen zu dem darüber liegenden Halbgeschoss, dessen Pultdachfenster das Südlicht über den ganzen Raum verteilen. Darunter stehen die Betten der Kinder. Später sollen sie auf der Galerie schlafen – aber erst, wenn alle alt genug sind, um auch schlaftrunken noch sicher hinauf und hinunter zu klettern. Am Ende des Flurs liegen Elternschlafzimmer und -Bad, denen die Ankleide vorgelagert ist – ein eigener, vom Kindertrubel abgegrenzter Bereich.

Die Materialien - So reduziert wie der Entwurf
Große Platten aus Bateig, einem grauen Kalkstein aus Spanien, breiten sich auf den Böden im Erdgeschoss aus, ummanteln den zentralen Esstisch und setzen sich draußen als Terrassenbelag fort. Selbst die Waschtische in den Badezimmern sind daraus gebaut. Der Küchenkubus wiederum wurde mit Paneelen aus Ulmenholz verkleidet. Die durchgängigen Holzmaserungen strecken die Oberflächen in die Höhe – ein einheitliches Kleid, das sich um das Raum füllende Möbel hüllt. Das Wechselspiel aus Holz- und Steinmaserungen wird durch den weißen Putz der Wände noch betont. „Die Behaglichkeit kommt durch die Oberflächenstrukturen“, sagt Christopher Philipp. Von außen ist die Villa aus weißem Sichtbeton – und wirkt so klassisch wie mondän. Wäre da nicht die poetische Hohenloher Landschaft, könnte man fast glauben, die Côte d'Azur läge dem Haus der Philipps zu Füßen.

Die Einbaumöbel - Die reine Perfektion
Wer mit vier Kindern so reduziert wohnen will, braucht vor allem: Stauraum. „Anders wäre das architektonische Konzept nicht alltagstauglich“, sagt die Hausherrin. Hohe Einbauschränke flankieren den Seiteneingang neben der Garage. Im Küchenblock verbergen sich Schränke, deren grifflose Türen dank des durchgehenden Furniers nicht auffallen. Der weiße Einbauschrank, der sich im Oberschoss in ganzer Länge auf einer Seite des Flurs erstreckt, bleibt fast unsichtbar. Dank ihrer präzisen Ausführung fügen sich die Einbaumöbel nahtlos in die Raumkonzeption. „Wenn man puristisch entwirft, kommt es auf jedes Detail an“, sagt Anna Philipp. Auf Leuchtkörper verzichtete sie meist, setzte stattdessen bündige Lichtbänder und indirekte Lichtquellen ein. So lenkt nichts vom Blick auf die Landschaft ab. Und alles, was herumliegt, kann schnell in den Schränken verschwinden.

Der Garten - Klare Strukturen
Die Anlage des Grundstücks zeigt: Der Entwurf feiert die Landschaft in der Ferne – doch die in der nächsten Umgebung bändigt er. Die umgebenden Wiesen sind terrassenartig in den Hang gestaffelt. Dabei sorgen Podeste und Betonmauern aus weiss durchgefärbtem Sichtbeton für eine klare Einteilung. Und selbst die Blumenbeete sind mit einem schmalen Stahlblech eingefasst.

text: Sandra Hofmeister

 

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