Deutsche Oper Berlin

 

Die Architektur der 1960er-Jahre hat es nicht gerade leicht: Sie wird heftig kritisiert und zuweilen verachtet, vielerorts wüde man sie gern einfach abreißen. Zu Unrecht? Die Fotografin Friederike von Rauch wirft einen Blick auf die Deutsche Oper Berlin. Ihre präzisen Arbeiten vermitteln die Haltung, die Fritz Bornemann seiner Opernarchitektur zugrunde gelegt hat.

Bescheidenheit
Es sollte eine Oper für das Volk sein, die nicht für eine kleine Musikelite, sondern für alle Bürger der Bundesrepublik, insbesondere die Westberliner bestimmt war. Und trotz oder vielleicht gerade wegen eines solchen Anspruchs übt sich Fritz Bornemanns Architektur in vielerlei Hinsicht in Bescheidenheit. Die Deutsche Oper in der Bismarckstraße hat kein festliches Portal, keinen prächtigen Haupteingang – nicht mal ein Vordach. Stattdessen versteckt sich das große kubische Zuschauerhaus hinter einer 70 Meter langen, fensterlosen Fassade aus Waschkieselputzplatten.Eine Schallschutzmauer, die sich mit brachialer Wucht in den Stadtraum schiebt und den Innenraum radikal von ihm abschottet – zumindest zur Vorderseite. 1961 wurde der Bau fertiggestellt. Von Beginn an war er Symbol der gespaltenen Stadt und Zeichen für einen kulturellen Neustart im Westen. Als Gegengewicht zur Staatsoper Unter den Linden verkörperte die Deutsche Oper in Charlottenburg das Selbstverständnis der jungen Bundesrepublik. Auch in ihrer Geschichte spiegelt sich das wider: Die Eröffnung war ein wichtiges Kulturereignis. Im Juni 1967 war das persische Kaiserpaar zu Gast. Während auf der Bühne Mozarts Zauberflöte aufgeführt wurde, eskalierte vor dem Haus die Auseinandersetzung zwischen Polizei und Demonstranten, und Benno Ohnesorg starb durch einen Kopfschuss aus kurzer Distanz. Bundespräsidenten, Weltstars der Musik und der Dramatiker Heiner Müller waren regelmäßig zu Gast in den Räumen der Oper. Ihre Architektur steht beispielhaft für die westdeutsche Nachkriegsmoderne und ihr ästhetisches Vermächtnis, das sich nicht auf den ersten Blick erschließt und genau studiert sein will.

Qualitäten im Innenraum
Friederike von Rauch hat die Innenräume der Deutschen Oper Berlin mit ihrer Mittelformatkamera erkundet. Ihr Blick deckt Proportionen auf, studiert die Eigenart von Materialien, erschließt räumliche Zusammenhänge, beobachtet Licht und Schatten. Zuweilen ruht er auf Wandflächen und Böden und zeigt, wie sich Ebenen und Kanten zu einer Komposition ergänzen. Die Fotografien der Berliner Künstlerin sind ohne zusätzliches Licht aufgenommen. Es sind Stillleben von Räumen. Heiteren Räumen. Leichtfüßig schiebt sich die Treppe in den Luftraum des großen Foyers – eine feingliedrige Skulptur, die an einen Sprungturm im Schwimmbad denken lässt. Die seitlichen Fassaden des Zuschauergebäudes der Oper sind komplett verglast. Der Blick wandert vom Foyer aus auf die Nachbargebäude – wie aus einem Guckkasten, der sich jedoch nicht in erster Linie auf die Aussicht, sondern auf sich selbst konzentriert. Auf den blankpolierten schwarzen Böden reflektiert das Licht wie auf einer planen Wasserfläche. Eine stattliche Mahagoniwand schließt das Foyer über seine gesamte Höhe zur Straßenseite hin ab. Sie steht unter Denkmalschutz und gibt dem ebenso zurückhaltenden wie nüchternen Raum eine dezente festliche Stimmung. Die Sitz- und Tischarrangements in den Zuschauerrbereichen sind fest installiert. Auf den dunklen, petrolfarbenen Wänden steht „Rauchen nicht gestattet!“. Das architektonische Vermächtnis der Deutschen Oper entspricht einer bürgerlichen Haltung, die zur Zurückhaltung mahnt und ihre Qualitäten lieber versteckt als protzig zur Schau stellt. In ihrer Konsequenz bleibt die Opernarchitektur bis heute einzigartig in Berlin und darüber hinaus.

Text: Sandra Hofmeister
Foto: Friederike von Rauch

 

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