Im Labyrinth der Kunst
 
Museum M in Leuven

Alte und neue Kunst, Mittelalter und Moderne: Der Belgier Stéphane Beel entwickelte ein architektonisches Konzept, das die historischen Kabinette im Museum M in Leuven mit den modernen Ausstellungsräumen des Neubaus verbindet. Dabei bringen differenzierte Lichtverhältnisse die Kunstwerke auf unterschiedliche Weise zum Strahlen.

Bekannt fu?r seine Universität, präsentiert sich das flämische Leuven etwa 20 Kilometer östlich von Brüssel seit Kurzem auch als herausragender Kunststandort: Nach fünf Jahren Planungs- und Bauzeit eröffnete im September 2009 das Museum M im Stadtzentrum. Mit einer Sammlung von insgesamt 46 000 Objekten mittelalterlicher oder zeitgenössischer Kunst wird das Museum zur maßgeblichen Institution für das kulturelle Erbe des früheren Herzogtums Brabant und fungiert außerdem als Brücke zwischen der Geschichte und der Gegenwart. „Jahrhundertealt und quicklebendig“, der Leitsatz der Hauptstadt in der Provinz Flämisch-Brabant, gilt auch für das neue Museum: Der weitläufige Komplex öffnet sich mit mehreren Eingängen zur Altstadt, vereint unterschiedliche Baustile und Epochen in sich und zeigt sich als belebtes, vielschichtiges Kunstareal.

„Unser Ziel war, das Museum zu einem Ort zu machen, an dem die Kunst gedeihen kann und an dem man sie genießen kann, statt sie wegzusperren“, erläutert Stéphane Beel seinen Entwurf. Der Architekt und sein Genter Büro gelten als Museumsspezialisten, die sich bei bekannten Projekten wie dem Glaspavillon vor dem Rubenshaus in Antwerpen oder der Erweiterung des Centraal Museum in Utrecht bereits einen Namen gemacht haben. In Leuven entschied sich Beel fu?r die schwierige Strategie, Alt und Neu als eigenständige Raumgefüge um einen zentralen Innenhof zusammenzuführen. Das frühere Akademiegebäude und das Vander Kelen-Mertens-Palais – beide Häuser sind in das Museum M integriert – wurden nach den Regeln der Denkmalpflege sorgfältig renoviert und über eine Brücke mit einem modernen Neubau verbunden. Insgesamt 6 500 m2 Ausstellungsfläche sind im dem labyrinthartigen Museumskomplex auf die historischen und die modernen Räume verteilt. Während sich in den Altbauten die farbige Pracht vergangener Zeiten in kleineren Kabinetten mit Holzdecken und Wandvertäfelungen ausbreitet, zeigt sich der Neubau in nu?chterner Zurückhaltung. Es war dieser klare Kontrast und Gegensatz zwischen Alt und Neu, auf den Séphane Beel besonderen Wert legte. In Zukunft sollen alte Meister in neuen Räumen und vice versa gezeigt werden. An eine striktere Zuordnung der Ausstellungsflächen ist nicht gedacht.

„Das Bewahren und Ausstellen von Kunst sowie die Kunst an sich verlangen keinen spezifischen Gebäudetypus“, meint Stéphane Beel. Statt monotoner, isolierter Räume gestaltete er einen abwechslungsreichen und vielseitig nutzbaren Museumsparcours mit großzügigen und hohen, dann wieder kleineren und niedrigeren Sälen. Das Lichtkonzept der Architekten trägt dem Charakter der einzelnen Säle Rechnung und reagiert sensibel auf ihre konkreten räumlichen Voraussetzungen. So werden die denkmalgeschützten Kunstkabinette der Bestandsbauten durch filigrane Supersystem-Schienen erhellt, die an kaum sichtbaren Seilen unter der alten Holzdecke schweben. Je nach Bedarf sorgen vertikale Wandfluter für eine flexible, expressive Akzentuierung der Ausstellungsobjekte. „Dank Wallwasher und breit strahlender Reflektoren vermeiden wir starke Kontraste zwischen den ausgestellten Werken und den umliegenden Wänden“, sagt Jan Van den Bergh von RCR studiebureau, verantwortlich für die Elektroplanung. Fu?r die allgemeine, kompakte und flexibel gehaltene Beleuchtung sind Dreiphasenschienen mit Strahlern eingesetzt. In den deutlich geräumigeren White-Cube-Räumen des Neubaus sind die Tecton-Schienen zusätzlich mit Tempura-Spotlights in LED -Technologie ergänzt, deren Farbtemperatur sich, je nach den Bedürfnissen der Kunst, im Bereich von 2 700 bis 6 500 K einstellen lässt. Das LED-Licht vermeidet außerdem eine Schädigung der Kunstobjekte durch Wärme- oder UV-Strahlung.

Die ersten Sonderausstellungen nach der Eröffnung, bei der Prinzessin Mathilde von Belgien und Prinzessin Máxima der Niederlande anwesend waren, widmet das Museum dem lebenden belgischen Kuüstler Jan Vercruysse und dem Altmeister Rogier van der Weyden. Etwa 100 Meisterwerke aus dem Umfeld des berühmten niederländischen Malers sind aus europäischen und amerikanischen Kollektionen zusammengetragen; viele der empfindlichen Pigmenttafeln werden in Leuven erstmals ausgestellt – und zeugen von einer Licht- und Farbvielfalt, die das Museum M in flämischer Manier glänzen lässt.

Text: Sandra Hofmeister

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