Über den Wolken
 

Gipfelplattform in den Stubaier Alpen von astearchitecture

Die auskragende Stahlkonstruktion auf dem Vorgipfel des Isidor schwebt gleichsam über dem Stubai-Gletscher. Schwindelerregende Blicke auf die Gipfelwelt der Alpen tun sich von der Plattform aus auf.

Es gibt Orte, an denen die Welt grenzenlos scheint. Den Blick auf die weißen Gipfel der Alpen gerichtet, dem Himmel so nah, ist dies so ein Ort. Wem dort oben der kalte Wind um die Ohren pfeift und wer die Schneefelder und Bergkuppen in der Ferne glitzern sieht, dem mag feierlich zumute sein, so ganz alleine mit sich und der weiten Welt. Viele haben diese Erfahrung schon festgehalten – ein Menschheitstraum nicht nur von Alpinisten. „Zuerst stand ich da wie benommen von der ungewohnten Luft und dem freien Rundblick“, beschreibt Petrarca seine Besteigung des Mont Ventoux, und sie liegt über 650 Jahre zurück. Dagegen fallen die Bergerlebnisse in Bruno Tauts Alpiner Architektur märchenhaft und fast ein wenig esoterisch aus. Und mit ungenierter Romantik besingt der Schlagersänger Reinhard Mey – sicherlich nicht nur in Österreich heute präsenter als Petrarca – den Blick in den Himmel, der auch vom Flugzeug aus alle Ängste und Sorgen verschwinden lässt: „Über den Wolken muss die Freiheit wohl grenzenlos sein“. So schön kann die Welt sein. Von oben betrachtet, von ihrem Gipfel aus. Die Gipfelplattform auf dem Isidor liegt 3200 Meter über dem Meer. Etwa hundert Meter unter der neun Meter frei auskragenden Konstruktion aus Cortenstahl und Gitterrost schlängelt sich der Stubai-Gletscher ins Tal. Von dort oben, über der Nordwand, wird das ganze Ausmaß des sterbenden Eisriesen im Panoramablick sichtbar: Skilifte, Gondelstationen, abwegige Tourismusanlagen sind in die Natur geklotzt. Die Plattform hingegen verträgt sich mit den Bergen. Ihre geschwungenen Kanten und Linien fügen sich in die Landschaft, als ob sie ein Teil der Gipfelwelt wären. Die vorhandene Topografie der schroffen Felsen und Berggrate wird dabei überzeichnet und inszeniert. Eine Architektur, die aus Landschaft geformt ist und doch zur künstlichen Landschaft wird. Der Ausblicksort vermittelt zwischen Dynamik und Statik, Stillstand und Transformation in der Bergwelt....

Text: Sandra Homfeister

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