Hier kocht der Chef
 

Fünf neue Küchenkonzepte von den Top-Gestaltern der Zunft: So vielfältig fällt die Verbindung von Kochen und Wohnen aus

Piero Lissoni
Wie dünn tranchierte Zutaten fügen sich die einzelnen Elemente des neuen Küchensystems „Aprile“ zu einem stimmigen Menü. „Auch der Küchengott wohnt in den Details“, meint der italienische Architekt und Designer Piero Lissoni (54). „Deshalb haben wir lange daran gearbeitet, die Oberflächen so dünn wie möglich zu gestalten und die Materialien möglichst pur zu verarbeiten." Überflüssige Dekorelemente sind in Lissonis sorgfältigem Schnittmuster für diese raumausgreifende Boffi-Küche weggelassen. Stattdessen sorgen 8 mm dünne Edelstahlarbeitsflächen, in Mineralwerkstoff ausgeführte Griffmulden sowie thermobehandeltes, geöltes Akazienholz für funktionale Eleganz und Leichtigkeit. Das übergreifende Raumkonzept macht „Aprile“ zur wohnlichen Küche und zum funktionalen Wohnbereich mit unsichtbarer Küchentechnik. „Der Frühling ist für mich eine wunderbare, positive Jahreszeit“, erläutert Piero Lissoni den Namen seines Entwurfs. „Diesen Optimismus bringt „Aprile“ zum Ausdruck: Die Küche gibt jedem die Freiheit, sich wie ein Chefkoch zu fühlen. Egal ob er ein Käsesandwich oder ein fünf Gänge Menü zubereitet.“

Hadi Teherani
Wand, Boden und Decke verschmelzen im „Artesio“-Küchensystem zu einem architektonisch gestalteten und vielseitig erweiterbaren Raum. Ein Funktionsbogen, dessen Deckenelement Beleuchtung, Dunstabzug und Belüftung aufnimmt, macht die neue Poggenpohl-Küche zu einer räumlichen Komposition, die Möbeldesign mit Architektur vereint. „In einer Küche kochen zu können ist zu wenig. Die Daseinsform des Menschen ist das Wohnen, darum geht es vor allem“, sagt der Hamburger Architekt Hadi Teherani (56). Sein stringentes Design breitet sich als flexibles System von der klassischen Küchenzeile ausgehend im Raum aus und bezieht bei Bedarf auch Esstisch, Glasvitrine oder eine freistehende Arbeitsinsel in das übergreifende Wohnkonzept mit ein. Dabei wird das primäre Konstruktionsraster von 13 cm als durchgängiges Organisationsprinzip sichtbar, das sich im Fugenrhythmus der lackierten Glasfronten ebenso wie an ihren Seiten und in der funktionalen Paneelwand zeigt. „Es geht nicht um das schöne Einzelobjekt, sondern um den atmosphärisch stimmigen Raum“, fasst Hadi Teherani seinen Entwurf zusammen.

Alfredo Häberli
Dass sich Küchen nicht immer in minimalistischer Zurückhaltung üben müssen, sondern auch als emotionaler Lebensmittelpunkt auftrumpfen können, zeigt das „Mesa“-System von Alfredo Häberli (45). „Die Küche ist die Seele des Hauses – ein Ort, wo Hausaufgaben gemacht und gleichzeitig Ravioli zubereitet werden“, erklärt der Schweizer Designer im Rückblick auf seine Kindheit in Argentinien. Die zentrale, vielseitig nutzbare Werkbank gab der Schiffini-Küche ihren Namen – „Mesa“ steht im Spanischen für „Tisch“. Mit integriertem Herd und Waschbecken sowie zusätzlichen auskragenden Arbeitsflächen aus Edelstahl und Holz nimmt die freistehende Insel eine Abfolge verschiedener Nutzungsbereiche auf und wird zum sozialen Mittelpunkt. Das Design greift bewusst auf archaische Elemente und sinnliche Materialien wie die naturbelassene Arbeitsfläche aus indischem Ocean Black-Granit zurück. „Eigentlich ist meine Küche eine Feuerstelle mit überdimensionaler Dunstabzugshaube“, beschreibt Häberli seinen Grundgedanken. An dem schwebenden Gitter aus Eichenholz können Köchlöffel und Geschirr aufgehängt werden. Die Schrankfronten sind aus weichem Gummi gefertigt – ein strapazierfähiges Material aus der Autoindustrie, dessen taktile Oberfläche mit Reliefmulden betont ist. Transparente Harzgriffe ergänzen den starken Eigencharakter der Schränke, die sich mit einer Durchreiche zum Wohn- und Essbereich öffnen und diese mit der Küchenwerkstatt verbinden.

Herbert Schultes
Unterschiedliche Funktionen aus verschiedenen Wohnbereichen mit einer durchgängigen, minimalistischen Front zu vereinen, zählt mit zu den Kerngedanken des Bulthaup-Systems b3. Dieses Jahr hat der Münchner Designer Herbert Schultes (72) seinen bereits bewährten Entwurf um ein universelles Schranksystem erweitert: Mit Lehm-farbenen Melaminoberflächen und feinmechanisch betriebenen Taschentüren fügt sich das modulare Möbel nahtlos in das Küchen- und Wohnszenario ein, egal ob als durchgehende Wand oder als fugenloser Solitär. Der „S-Schrank“ nimmt Elektrogeräte sowie Küchenvorräte auf und dient ebenso als Heimkino oder Garderobe im Wohnbereich. „Im geöffneten Zustand ist der jeweilige Funktionsbereich deutlich sichtbar, im geschlossenen Zustand wird der angrenzende Raum beruhigt“, erläutert Herbert Schultes die zurückhaltende Formensprache des Möbels, das auch mit der b2- Werkbank kombinierbar ist. Die Wiener Gestalter von Eoos Design haben ihren b2-Entwurf mit einer horizontal schwebenden Lichtlinie funktional ergänzt: Wird die Umluft des Lichtlüfters über der Werkbank aktiviert, so öffnen sich zwei Lamellen entlang des Lichtstreifens und geben die Absaugflächen des Lüftungssystems frei.

Antonio Citterio
Genau genommen ist „Spatia“ keine Küche, sondern ein Schranksystem, das unterschiedliche Funktionen wie Küche und Waschküche, Besenkammer und Wäscheablage sowie Vorratshaltung aufnimmt. „Die Idee ist bei der Planung eines Appartement-Hauses entstanden“, beschreibt der italienische Architekt und Designer Antonio Citterio (50) seinen Ansatz. „Ich wollte die Küche in den Wohnraum integrieren und hatte nicht viel Platz zur Verfügung.“ Mit Taschentüren aus pigmentbehandeltem sowie lasiertem Eichenholz (Dark Oak) und filigranen Fugen präsentiert sich das neue Arclinea-System als einheitliche und beliebig erweiterbare Wand. Nach Außen bleiben die verschiedenen Funktionsbereiche, die in die 90 cm tiefen Schrankmodule integriert sind, unsichtbar. Auch die kleine Kücheneinheit samt Edelstahlarbeitsfläche und LED-Beleuchtung zeigt sich nur im geöffneten Zustand. Mit Herd, Waschbecken und anderen austauschbaren technischen Funktionen bietet die Küche trotzdem alles Notwendige für den Alltag. „Es ist eine Methode, den Raum in Appartements und kleineren Stadtwohnungen zu organisieren“, erklärt Citterio sein vielseitiges Einrichtungssystem, das überall in der Wohnung Verwendung findet.

Text: Sandra Hofmeister

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