Die Lichtpoetin

Carlotta de Bevilacqua ist die Grande Dame des italienischen Lichtdesigns. In ihren Entwürfen begegnen sich neueste Technologien mit Handwerkstraditionen, um Licht und Schatten zum Tanzen zu bringen.

Wenn Carlotta de Bevilacqua ihren Gedanken freien Lauf lässt, schießen die Sätze aus ihr heraus wie Lichtblitze am dunklen Horizont. „Licht gehört zu unserem Leben wie Wasser und Luft“, meint die Mailänder Designerin und Architektin. „Seine Kraft hat einen unglaublich positiven Effekt. Es liegt nur an uns, neue Wege für diese Wirkung zu finden.“ Die Visionen und Überzeugungen der Grande Dame des italienischen Lichtdesigns gehen weit über die Gestaltung von Leuchten hinaus. Es geht ihr ums Ganze – um Konzepte für eine bessere Zukunft. Der Mensch und die Natur sollen dabei immer im Mittelpunkt stehen, auch für neue Technologien und Forschungsansätze. Mit dieser humanistischen Haltung entwickelt Carlotta de Bevilacqua ihre Entwürfe als Synthese zwischen Handwerk und High-Tech. Sie verbindet die beiden Pole zu einer Einheit, die gleichzeitig sinnlich und energieeffizient ist.

Wie eine Zauberkugel streut die Tischleuchte „Empatia“ ihr LED-Licht in einen runden Glaskörper, der die Tradition der venezianischen Glaskunst aufgreift. An seinem unteren Ende ist das mundgeblasene Objekt transparent, weiter oben wird das Glas zunehmend matt. Eine filigrane Kunststoffstange bündelt das Licht der Leuchtdioden und führt es nach oben wie einen leuchtenden Zauberstab, um es von dort auf die opake Glasfläche zu streuen – sie dient als Reflektor ähnlich wie ein Lampenschirm. Das Ergebnis dieses Tricks ist sorgfältig durchdacht: „Empatia“ verbreitet eine magische Atmosphäre und blendet nicht. Licht und Oberfläche, Dichte und Transparenz der Lampe sind zu einer ausgewogenen Balance zusammengeführt. Dass der Name auch Programm ist, dürfte durchaus Absicht der Designerin sein. Für sie steht Licht für Emotionen, und Empathie ist eine davon.

Als Vize-Präsidentin der Lichtfirma Artemide und Hochschulprofessorin steuert Carlotta de Bevilacqua auch diverse Forschungsprojekte im Lichtbereich und ist am Puls der Zeit, wenn es um zukünftige Entwicklungen geht. „Wir leben im Jahrhundert der Photonik“, sagt sie begeistert und erläutert die Errungenschaften der Quantenmechanik. Licht kann auch zum Datenträger für Informationen werden und interaktiv wirken, indem es die Dinge miteinander vernetzt. „Das ist einer der Gründe, warum ich so begeistert bin, in diesem Bereich zu arbeiten“, sagt Bevilacqua mit Blick auf die vielen Möglichkeiten, die es in Zukunft noch zu entdecken gilt.

Die Wirkung von Licht gezielt zu steuern, ist eine der Designgrundsätze der italienischen Gestalterin. Die Ästhetik spielt dabei eine große Rolle, weil sie den poetischen Grundton für ihre Lichtobjekte angibt. So schweben die Pendelleuchten „Incalmo“ und „Invero“ wie futuristische Ballons in der Luft. Sie streuen hellere und dunklere Streifen in den Raum und werfen Schattenstrukturen an die Wände. Was so leicht und spielerisch aussieht, entpuppt sich als Kombination einer ausgeklügelten Technologie mit Handwerkskunst. Die gemusterten, mundgeblasenen Diffusoren der Lampen werden in zwei Schritten gefertigt. Auf den großen Ballon aus Kristallglas werden Bänder aus Opalglas gesetzt – eine Kunst, die vor allem von den venezianischen Meistern der Glaskunst wie dem Architekten und Gestalter Carlo Scarpa eingesetzt wurde. Aufgehängt wird der wertvolle und zerbrechliche Diffusor auf einen Aluminiumgehäuse, das gleichzeitig optisches Element und Kühlkörper ist. Neueste Technologien und venezianische Glaskunst begegnen sich also in einer Einheit, die es in sich hat. Denn sie bringen das Licht zum Tanzen.

 

Text: Sandra Hofmeister

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