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Das neue MAXXI-Museum in Rom von Zaha Hadid Architects

Sich in Rom zu behaupten, neben Michelangelo, Bernini und den vielen anderen Baumeistern seit der Antike, ist nicht einfach. Die Londoner Architektin Zaha Hadid lässt sich erst gar nicht auf dieses Konkurrenzverhältnis ein. Ihr neues Museo Nazionale delle Arti del XXI Secolo (MaXXI) will keine Sensation und kein Paukenschlag sein. Allerdings fehlt ihm auch jene kraftvolle Vision, die man sich besonders am Tiber und gerade von einer Stararchitektin erwartet hätte. Der neue Sichtbetonbau wirkt wie ein zäher Arbeitserfolg, den das Londoner Architektenteam in 11 Jahren Planungs- und Bauzeit mühevoll errungen hat, wobei es sechs verschiedene Regierungen erleben durfte. „Endlich geschafft!“, meinte Zaha Hadid bei der Presseeröffnung des Museums, sichtlich erleichtert und recht nüchtern. Anders reagierten der italienische Infrastrukturminister und sein Kollege für Kulturelles Erbe: Die Politprominenz ergriff die Gelegenheit, sich selbst als Bauherren und Initiatoren einer „opera gigantesca“, „sensazionale“ und „grandiosa“ zu feiern.

Nun hat also auch die ewige Stadt ein Kurvengebäude der gebürtigen Irakerin – es ist das erste Museum Italiens für zeitgenössische Kunst, die bislang arg vernachlässigt wurde. Drei Betonbänder, mal eineinander geschlungen und dann wieder entflochten, winden sich auf dem früheren Kasernengelände in der Via Guido Reni nördlich der Innenstadt. Sie durchschneiden das Wohnviertel Flaminio an manchen Stellen wie eine hohe Mauer, die auch den Weg vom Museum zur zentralen Bushaltestelle verstellt. Zusätzlich schottet ein Zaun den Vorplatz des Museums von seiner Umgebung ab. Von einem offenen, kulturellen Begegnungsfeld kann also kaum die Rede sein, auch wenn der 150 Mio teure Neubau nur wenige Meter von Renzo Pianos Parco della Musica (2002) und Nervis/Vitelozzis Pallazzetto dello Sport (1960) entfernt ist – sich also eigentlich in guter Gesellschaft befindet.

Im hellen Entree des Museums wird trotzdem ein Hauch von Sensation erfahrbar: Am Schnittpunkt der drei Betonbänder öffnet sich eine dreigeschossige Halle, welche die Besucher in verschiede Stockwerke und Museumsbereiche verteilt. Dabei verästelt sich die Treppe mit ihren dunklen Stahlbrüstungen und Lichtbändern nach oben, gabelt sich mehrfach auf, wird zur Brücke, nimmt an Steigung zu und ab und füllt den hellen Raum bis unter seine Glasdecke – eine Himmelsleiter wie bei M. C. Escher, die Linien, Kurven und Bewegungsrichtungen für Besucher vorgibt und ihnen gleichzeitig jegliche Orientierung nimmt. In den Glasdecken und den Lichtbändern im Boden, gekrümmten Wänden, schiefen Decken und Podesten werden die Krümmungen und Richtungen auch in den lang gestreckten Galerieräumen fortgesetzt, aus denen die drei Geschosse geformt sind. Besucher kommen nicht umhin, sich der Dynamik hinzugeben und sich von den Bewegungsströmen des Hauses leiten zu lassen. „Ich bin sicher, dass ich mich an jede Linie erinnern werde“, erklärt Zaha Hadid beim Rundgang. Statt einzelner Kabinette für die Kunst sieht ihr Konzept große Achsen und Kurven vor, die in Wendungen und Kehren, Rampen und Schrägen aufeinander geschichtet und miteinander verwoben sind. So entsteht eine Art Landkarte, die an ein Formel-1-Gelände erinnern mag und durchschritten und erlebt werden muss. Dass die engen, verflochtenen Räume – viele von ihnen sind übrigens Durchgangsräume – zur Ausstellung von Kunst eher ungeeignet sind und zudem in Sackgassen enden, statt sich wie im obersten Geschoss auf den Stadtraum zu öffnen, bremst die architektonische Dynamik ungemein. Hadids neues Museum bleibt bislang ideenreiche Hülle mit viel Bewegungsdrang, der jedoch an manchen Stellen aprupt abbricht. Wie diese Hülle bislang funktionsfreie mit ihren 10.000 Quadratmetern Ausstellungsfläche auf die Kunst reagieren wird, die ab nächstem Frühjahr dort ausgestellt sein soll, ist nur schwer vorstellbar. Wände, Decken und Rampen müssen sich dann wohl unterordnen, was ihnen nur mit großer Mühe gelingen dürfte. Zweifelhaft bleibt auch die Ausstellungspolitik des Museums selbst: Die Kunstsammlung zählt 300 Kunstwerke – so viel wie in einer Privatsammlung und kein Vergleich mit den Sammlungen in Paris und London. Die Architektursammlung – sie soll im ersten Stock und Erdgeschoss Platz finden – wirbt zwar mit großen Namen wie Aldo Rossi. Doch die meisten Nachlässe sind längst auf andere Archive, Museen und Bibliotheken in Italien und den USA verteilt. Rom hat sich also ein neues Museum geleistet und so zumindest ein erstes Zeichen gesetzt. Ob die Stadt den Anschluss an die zeitgenössische Kunst findet, ist noch völlig offen.

Text: Sandra Hofmeister

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