Mit dem neuen Campus der Technischen Universität München im Olympiapark ist Dietrich Untertrifaller ein wegweisendes Pioniergebäude gelungen, das neue Rekorde für den Holzbau im XXLL-Format aufstellt.
Sandra Hofmeister, Vorarlberger Nachrichten, 21.2.2026
Studierende, Freizeit- und Spitzensportler:innen trainieren auf dem Campus der Technischen Universität im Münchner Olympiapark. Unter dem 22.000 m2 großen Holzdach des neuen Campusgebäudes sind die Räume der TUM School of Medicine and Health für rund 3000 Studierende und 450 Mitarbeitende organisiert. Dazu zählen auch 14 Sporthallen, die rund um die Uhr genutzt werden, auch vom zentralen Hochschulsport. Das nachhaltige Campusgebäude in Holzbauweise setzt Maßstäbe für die Zukunft.

Der große Holzbau duckt sich am Rand des Münchner Olympiaparks in die Landschaft. Die ikonische Zeltdachlandschaft des Stadions ist in Sichtweite. Foto: Aldo Amoretti
Dachlandschaft
Die ikonische Zeltdachlandschaft des Olympiastadions von 1972 ist in Sichtweite des Haupteingangs. Das große zweigeschossige Campusgebäude von Dietrich Untertifaller versteckt sich mit dunklen Holzfassaden am Rand des Olympiaparks. Eine vorgelagerte Brücke führt auf die obere Ebene des Neubaus, und drinnen ist die Überraschung groß. Denn der Blick schweift durch das gesamte Gebäude in die Ferne. Die 185 m lange Achse erschließt den gesamten Baukörper von Osten nach Westen und führt bis zu den Freianlagen an der Gebäuderückseite. Sie ist das lebendige kommunikative Zentrum des Campus und zugleich Veranstaltungsraum – hier pulsiert der Alltag. Auf den geometrischen Holzmöbeln, die wie Skulpturen aufgestellt sind, haben sich Studierende mit Laptops und Kaffeetassen eingerichtet. Mit bodentiefen Verglasungen schließen zu beiden Seiten Hörsäle und die tiefergelegenen, zweigeschossigen Sporthallen an. Studierende beim Handball und Bodenturnen sind zu sehen, die Unterrichtseinheit hat eben begonnen. Das Spiel mit Einblicken und Durchblicken bezieht auch die sechs grünen Innenhöfe ein. Oberlichter streuen zusätzliches Tageslicht auf die „rue interieur“ und kleinere Korridore links und rechts führen in die Verwaltungstrakte mit insgesamt 300 Büros.
Insgesamt 14 Hallen in Holzbauweise sind in dem großen Gebäude untergebracht. Es wurde in mehreren Bauabschnitten im laufenden Betrieb gebaut. Foto: Aldo Amoretti
Sport, Lehre, Forschung
Das umfassende Raumprogramm des Campus verknüpft Sport, Lehre und Forschung. Es umfasst auch einen Audimax und neben den Hörsälen, Seminar- sowie Forschungsräumen außerdem eine Mensa und die Bibliothek. Die 14 Sporthallen sind mit Ausnahme einer Mehrzweckhalle einzelnen Sportarten gewidmet und unterteilbar. Tageslicht dringt durch die Oberlichter ihrer spannenden Holzdeckenkonstruktion und lässt den farbigen Sportbodenbelag funkeln. Rund um das Gebäude stehen ergänzend 20 Hektar Freiflächen für den Sport zur Verfügung, die nahtlos in die Landschaft des Olympiaparks übergehen.

Eine lange rue intérieure durch das gesamte Gebäude Organisiert die Sport-, Vorlesungs- und Bürobereiche, Foto: Aldo Amoretti
Ökologischer Fußabdruck
Das Raumprogramm ist komplex und vielseitig, doch Dietrich Untertrifaller haben es ebenso übersichtlich wie kompakt in hellen, freundlichen Zonen und klar strukturierten Bereichen organisiert. Zur einfachen Orientierung sind Schmutz- und Sauberbereiche konsequent getrennt. Das Erdgeschoss mit den zentralen Umkleiden und Sanitärbereichen ist dem Sport gewidmet, hier befinden sich auch die Zugänge zu den Hallen. Auf der oberen Ebene hingegen dürfen Straßenschuhe getragen werden. Während die zentrale Achse mit aussteifenden Treppenkernen aus Beton sind, sind die seitlichen Gebäudetrakte in Holzbauweise konstruiert, einzige Ausnahmen sind der Audimax und die Kletterhalle. Unbehandelte helle Tannen- und Fichtenoberflächen sorgen für eine freundliche, fast behagliche Atmosphäre auf dem Campus. Insgesamt wurden 5200 m2 Holz verbaut und damit mehr als 5 Tonnen CO2 gebunden. Das TUM Campusgebäude zählt zu den derzeit größten Holzbauprojekten Europas, seine Bauweise trägt erheblich zur Reduktion des CO2-Fußabdrucks bei. Die Holzkonstruktion wurde überwiegend im Werk vorgefertigt und vor Ort montiert, so konnten die Hallencluster in nur zwei Monaten errichtet werden. Um Schließzeiten der Sportanlagen zu vermeiden, musste die Baustelle im laufenden Betrieb in mehreren Bauphasen organisiert werden. Die asbestbelasteten Vorgängerbauten aus Cortenstahl sind Schritt für Schritt abgetragen worden. Seit kurzem ist der neue Campus vollständig in Betrieb.
Auch eine Mensa und eine Bibliothek sind unter dem großen Holzdach. Alle Bereiche sind tagesbelichtet. Foto: Aldo Amoretti
Großzügige Geste
An der Westseite des Gebäudes mündet die „rue interieur“ in eine großzügige äußere Achse, die sich wie eine riesige Loggia oder Tribüne im Obergeschoss des Gebäudes auf die angegliederten Freianalgen öffnet. Das spektakuläre Holzvordach schützt den Bereich samt der vorgelagerten Außenlaufbahn. Mit einer rekordverdächtigen stützenfreien Auskragung von 18,70 Meter wird die Dachkonstruktion als großzügige Geste erlebbar. Sie ist aus 40 Hohlkastenelementen gefertigt, die sowohl die Installationen als auch die Entwässerung aufnehmen und alle Querträger integrieren. Ein herausragendes architektonisches Charakteristikum, mit dem der Holzbau den Dialog zur nahegelegenen ikonischen Zeltdachlandschaft aufnimmt, ohne in Konkurrenz zu ihr zu treten.

An der Gebäuderückseite befinden sich die Außensportanlagen - sie gehen in den Landschaftspark über. Foto: Aldo Amoretti

