Campus St. Michael in Traunstein von Studio Heringer
Sandra Hofmeister, Baunetz 22.5.2026

Foto: Kurt Hörbst
Der erste freitragende und bewitterte Lehmbau Deutschlands befindet sich in Traunstein in Oberbayern auf dem Campus St. Michael der Erzdiözese München und Freising. Seine Architektur spiegelt ein Bildungsangebot, in dem Mensch und Natur im Mittelpunkt stehen. Für das neue Gebäude, das als öffentliches Forum dient, legte sich die Bauherrin, die Stiftung Erzbischöfliches Studienseminar, früh auf Lehm als Baumaterial fest. Mit Anna Heringer (Laufen) gewann sie eine Architektin, die zahlreiche Lehmbauten im globalen Süden realisiert hat und ihre Erfahrung nun in Deutschland einbringt.

Foto: Florian Wick
Der flache, rund 70 Meter lange und 55 Meter breite Baukörper aus Lehm liegt im Zentrum des Campus. Seine Gebäudeflügel mäandern zwischen dem denkmalgeschützten Bestand von 1929, dem Kindergarten und dem 2024 eröffneten Internatsholzbau, den ebenfalls Studio Anna Heringer plante. Im Osten öffnet sich ein Hofplatz mit Brunnen. Steinstufen führen auf das begrünte Dach in einen Garten mit Kräutern und Insektenhotel, Wegen und Plätzen. Von hier reicht der Blick bis zu den weißen Bergspitzen an der Grenze zu Österreich.

Foto: Theresa Buchberger
Für den Campusbau wurden 976 Stampflehmelemente in der Werkhalle von Lehm Ton Erde Baukunst im österreichischen Schlins vorgefertigt und getrocknet. Wie Bauklötze wurden die bis zu 75 Zentimeter dicken Elemente auf der Baustelle montiert. „Als ob die Erde sich nach oben schieben würde“, beschreibt Heringer die Wirkung. Die Wände bestehen aus reiner Erde ohne Zusatzstoffe. Wird das Haus nicht mehr gebraucht, können seine Mauern weiterverwendet oder der Natur zurückgegeben werden.

Foto: Theresa Buchberger
An den Fassaden zeichnen sich Nester mit Kieselsteinen ab. Sie stabilisieren die unbehandelten Mauern und schützen sie vor Feuchtigkeit. Helle Streifen aus Trasskalk durchziehen die Lehmschichten und beugen Erosion vor. Im Westen wechseln sich große und kleine Fenster unregelmäßig ab, gerahmt von Kalkstreifen, die Patina ansetzen dürfen. „Ich habe mich ganz auf die Kraft des Materials verlassen“, sagt Heringer, die das Lehmhaus in einer Arge mit Architekten + Stadtplaner Romstätter (Traunstein) realisierte.

Foto: Katharina Kohlroser
Der Genehmigungsprozess sei eine Herausforderung gewesen, weil Normen oft wie Naturgesetze behandelt würden, der Klimaschutz zu wenig Gewicht hätte...
Der gesamt Text ist am 21. Mai 2026 im Baunetz erschienen.
