Mit den Holzhäusern Frieda und Johann in Bezau interpretieren Innauer Matt Architekten die regionale Bautradition auf zeitgenössische Art.
Sandra Hofmeister, vai, Vorarlberger Nachrichten 27./28. Juni 2026

Foto: Dominik Kummer
Im Gegensatz zu den stark wachsenden Agglomerationsorten im Rheintal hat sich Bezau im Bregenzerwald in den letzten Jahrzehnten langsam und überschaubar entwickelt. Im Dorfkern verdichteten sich die Strukturen, an den Rändern kamen einige Wohn- und Gewerbeflächen hinzu. Die Wohnhäuser Frieda und Johann liegen im Nordosten des Ortes am Waldrand. Für das Grundstück bestand seit den 1950er-Jahren eine Baugenehmigung, die Alex Jäger und Magdalena Brandner für ein Ensemble aus zwei neuen Massivholzbauten nutzten. Benannt sind die beiden Wohnhäuser nach den Großeltern, die das 1000 Quadratmeter große Grundstück vererbten.
Foto: Dominik Kummer
Mit dem Entwurf beauftragte Alex Jäger seine langjährigen Freunde und Kollegen Sven Matt und Markus Innauer. Sein Bauleitungs- und Planungsbüro Flatz Jäger arbeitet eng mit Innauer Matt Architekten zusammen. Statt ein einzelnes Eigenheim ins Grüne zu setzen, platzierten die Architekten zwei Häuser mit drei Wohneinheiten auf dem Grundstück. „Ein Einfamilienhaus auf der grünen Wiese ist nicht mehr zeitgemäß“, bemerkt Sven Matt. Im Haupthaus Johann wohnt heute der Bauherr auf 136 Quadratmetern. Die kleinere Einliegerwohnung im Obergeschoss wird an Feriengäste vermietet, ebenso das Nebenhaus Frieda mit zwei Schlafzimmer und Sauna.
Foto: Dominik Kummer
Die kompakten Holzhäuser kommen ohne Vorsprünge und Erker aus. Ihre klaren Baukörper ähneln einander, unterscheiden sich jedoch im Maßstab: ein Ensemble aus Groß und Klein. Gebaut wurde mit Fichtenholz aus dem Gemeindewald, an den Fassaden zeichnet sich das Raster der Holzträger ab. Innauer Matt nutzen das Konstruktionsprinzip des Holzständerbaus für einen lebendigen Rhythmus aus geschlossenen Fassadenflächen und Fensteröffnungen. Nebenzonen, wie Garage, Eingangsbereiche und Terrasse sind in das Volumen eingeschrieben. Das steile Satteldach und die schattige Loggia an der Westseite von Johann erinnern an den „Schopf“ des traditionellen Bregenzerwälderhauses. Einen Zaun gibt es nicht: Die Wiese vor dem Haus geht in die Weiden der umliegenden Höfe über. Mit Frieda und Johann haben die Architekten die Bautradition der Region aufgegriffen und zeitgemäß interpretiert.
Der gesamte Text ist in den Vorarlberger Nachrichten vom 27/28. Juni erschienen.

„Ich bin in einem Holzhaus von Hermann Kaufmann aufgewachsen, auch beruflich habe ich fast ausschließlich mit Holzbauten zu tun“, sagt Jäger. „Für mich kam nichts anderes infrage.” Im Erdgeschoss seiner Wohnung öffnet sich ein großer, durchgängiger Raum, in dem Wohnen, Kochen und Essen ohne Türen verbunden sind. Eine Mittelzone mit fast unsichtbaren Holzeinbauschränken bildet das Rückgrat des Grundrisses. Von dort führen zwei Stufen in die tiefergelegene Küche; die Architekten nutzten die Neigung des Baugrunds für zwei versetzte Ebenen. Vier große Holzfenster öffnen den Raum nach Süden, der Blick über die Wiesen auf das Dorf wird Teil des Wohnens.

Auf der freistehenden Kochinsel wird mit Blick ins Grüne gekocht. Auch die rückwärtige Küchennische erhielt eine Arbeitsfläche aus Carrara-Marmor, kombiniert mit grifflosen Schränken aus Esche. Der Essbereich liegt neben dem Ofen mit glatten, flaschengrünen Kacheln. Er wird von der Mittelzone aus befeuert und unterstützt im Winter die Wärmepumpe mit Erdsonde, die beide Häuser heizt. Böden und Decken aus unbehandelter Fichte schaffen eine ruhige, freundliche Atmosphäre. Im Westen öffnet sich der Hauptraum auf die zehn Quadratmeter große schattige Loggia. Richtung Norden schließt die Stube an, und die rückwärtige Treppe führt zu den Schlafräumen.

Auch die Einliegerwohnung im ersten Stock ist rückseitig erschlossen, sie hat einen eigenen Eingang. Im Innenausbau orientiert sie sich, ebenso wie Frieda, an den Standards der Hauptwohnung. Regionales Handwerk und Bautradition verbinden sich und setzen hohe Maßstäbe für das zeitgemäße Wohnen.
In der Garderobenzone und in den Außenbereichen sind polygonale Platten aus grauem Schwarzachtobler Sandstein aus einem nahen Steinbruch verlegt. Gedämmt wurden beide Häuser mit Zellulose. Weil sie nicht unterkellert sind, konnten die Baukosten reduziert werden. Auf Stauraum musste der Bauherr dennoch nicht verzichten: In der großen Garage im Erdgeschoss von Johann kann er auch Holz lagern, außerdem gibt es einen Hauswirtschaftsraum. Beide Bereiche sind in den kompakten Holzbaukörper integriert, der wie seine Nachbarin Frieda mit den Jahren Patina ansetzen und sich dann noch weniger unterscheiden wird von den Bregenzerwälderhäusern im Dorf. Auch das ist selbstverständlich beabsichtigt.
