Die erste umfassende Monografie zur italienischen Architektin zeigt die schillernde Vielfalt ihrer Entwürfe – vom Punk bis zur Postmoderne – mit beeindruckenden Fotos und Zeichnungen.
Sandra Hofmeister, castello books, 23. September 2026

“A beatle under the leaf”, private house for Giobatta Meneguzzo, with Gio Ponti (structure), Malo, Vicenza, 1964-1969 © photo: Adam Štech, 2017
Es gibt ein Foto von Nanda Vigo aus den frühen 60er-Jahren. Dort steht sie auf einer Party in Rom mit einem glitzernden Kleid, das vorne dreimal vertikal aufgeschlitzt ist. Der Künstler Lucio Fontana hat es gestaltet. Nanda Vigo trägt es lächelnd, die Augen mit langem Lidstrich geschminkt, die blonden Haare auftoupiert. Die Mailänder Architektin gehörte zur Avantgarde, die den Rationalismus hinter sich ließ und sich auch in Gruppen wie Superstudio oder der deutschen Künstler Zero formierte, der Nanda Vigo zeitweise angehörte.

Blue Habitat, apartment for Waifro Spaggiari, with Franco Fiorio, Milan, 1967, drawing with collage © Comune di Milano, CASVA – Archivio Nanda Vigo
Mailand in der Nachkriegszeit
Der englische und italienische Band „Nanda Vigo Interiors. Nanda Vigo Interni“, herausgegeben von Silvia Groaz, deckt das Umfeld Nanda Vigos mit großer Sorgfalt auf: Die Innenraumgestaltungen von Joe Colombo und Gio Ponti, Ettore Sottsass und klassische Möbelentwürfe bilden die Folie, auf der das Werk der Architektin dargestellt wird. Eine Berg- und Talfahrt vom Space Age bis zum Minimalismus und zur Postmoderne.
Nanda Vigo. Interiors. The Metaphysics of Everyday Life. Nanda Vigo Interni. La metafisica del quotidiano, Silvia Groaz (ed.), hardcover, 496 Seiten, 24 × 30 cm, 356 farb. Abbildungen, Englisch, Italienisch, Birkhäuser, Basel 2026, ISBN 978-3-0356-2921-7
Casa Viola, Casa Nera
Es gibt nicht viel Literatur zu Nanda Vigo – umso wichtiger ist diese umfassende, fast 500 Seiten fassende, zweisprachige Monografie. Reich bebildert mit Skizzen, Fotos und Porträts der Gestalterin zeigt sie neben dem Textteil großformatige Fotos, die psychedelische, dunkel schillernde Interiors, präzise Zeichnungen und Briefe abbilden. Farben haben im Werk von Nanda Vigo eine herausragende Rolle gespielt – in der Casa Viola strahlt die Kunst von Enrico Castellani von den fliederfarbenen Wänden. Die Casa Nera – das Schwarze Haus – entpuppt sich als eine Art Spiegelkabinett mit hinterleuchtetem Boden.
Die ausführliche Rezension ist am 23.9.2026 auf castellobooks.com erschienen.

