Wer schon mal durch das Appenzellerland gereist ist, wird die farbigen Häuser in der Wiesen- und Berglandschaft der Schweizer Alpenregion nie vergessen. Wie Modellhäuschen sind die Bauernhäuser über die Hügel verteilt.
Sandra Hofmeister, baunetz, 23. September 2026
Falkenmühle, Gaiserstrasse 9B, Appenzell/AI. © Foto Christoph Gysin
Der Stalltrakt ist meistens gelb gehalten, die Holztore leuchten in Rot. Farben sind ein fester Teil der kulturellen Identität in der Region Appenzell, egal ob auf dem Land oder in den Dorfzentren.Der Sage nach gefielen die kleinen Appenzeller Häuser dem Riesen Säntis, nach dem auch der Berg benannt ist, so gut, dass er sie in einen Sack steckte, um sie nach Hause zu bringen. Durch ein Loch seien die Häuser, so die Legende, unbemerkt herausgefallen und deshalb überall auf den Wiesen und Hügeln verteilt.

«Malerische Beweisführung». Vielfalt der aus den Grundpigmenten Ocker, Eisenoxyd, Chromoxyd, Weiss und Schwarz gemischten Farbtöne. «Die Bereicherung lokaler Farbpaletten liegt nicht in der Fülle und ihrer plakativen Anwendung, sondern vielmehr im Spiel mit dem Reichtum aus den Mischungen limitierter Grundtöne.» © Haus der Farbe
In ihrer bei Scheidegger & Spiess erschienenen Studie Farbkultur in Appenzell Innerrhoden vergleicht Fabienne Suter Sogo die Bauernhäuser dieser ländlichen Streusiedlungen mit der farbigen Architektur im Dorf. In ihrem Buch, das vom Haus der Farbe in Zürich herausgegeben wurde, deckt sie Hintergründe, Traditionen und Muster der Farbkultur auf, analysiert die letzten erhaltenen Beispiele fragiler Fassadenbemalung aus dem 19. und frühen 20. Jahrhundert und hält sie fotografisch fest. Als äußerste Fassadenschicht ist Farbe der Witterung ausgesetzt und daher von kurzer Lebensdauer.
Weissbadstrasse 8, Fassadengestaltung in traditioneller Farbigkeit: dekorativ, farbig und dennoch zurückhaltend. © Foto Christoph Gysin
Beim regelmäßigen Neuanstrich wurde traditionelle Ölfarbe im Appenzell häufig durch Acrylfarbe ersetzt, wodurch ursprüngliche Farbkompositionen zunehmend verloren gingen. Meist bestimmten die Maler vor Ort die Farben ad hoc, ohne Farbgeschichte, Nuancen und architektonischen Kontext zu berücksichtigen. Im 19. Jahrhundert lösten synthetische Mineralfarben die herkömmlichen Pigmente ab. Neue leuchtende Töne wie Chromoxidgrün und das vollflächige Bemalen größerer Fassaden setzten sich durch – begünstigt durch die Bezahlbarkeit der neuen Farben.
Die ausführliche Rezension ist im baunetz und auf castello books erschienen.

Fabienne Suter Sogo, Farbkultur in Appenzell Innerrhoden, Die Farbigkeit von Appenzeller Häusern in der Streusiedlung und im Dorf, Haus der Farbe (Hg.), 144 Seiten, Scheidegger & Spiess, Zürich 2026
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